Die Sache mit der Motivation – Medizinstudium

Tipps für mehr Produktivität, Organisation und Motivation im Medizinstudium und Alltag, medstudent, medical, medicine, medizinstudium, university, student, studyUnbezahlte Werbung  / Motivation, Effektivität, Produktivität, Organisation. Vier Wörter, die viel gemein haben und in meinem Leben und Studium eine sehr große Rolle spielen. Das Medizinstudium ist zeitaufwendig, nicht nur wegen der Anwesenheitspflicht in vielen Veranstaltungen, sondern weil ich auch zu Hause viel vor- (Praktika, Seminare) und nachbereiten muss, da kann die Motivation schon ganz schon ins Wanken geraten!

In meinem ersten Jahr als Studentin hatte ich oft das Gefühl, gar keine Freizeit mehr zu haben – dabei hätte ich eigentlich (die akute Prüfungsphase mal ausgenommen) genug Zeit gehabt, nur habe diese nicht effektiv genutzt.

Stattdessen habe ich sehr oft Arbeit vor mir hergeschoben, die immer länger werdende todo-Liste ständig im Hinterkopf, weswegen die Zeit in der ich ja eigentlich nichts erledige und die ich für mich nutzen könnte von negativen Gedanken á la „Eigentlich müsste ich grade…“ beherrscht wurde, sodass ich sie gar nicht genießen konnte.

Für mich war und ist das ziemlich frustrierend, weil ich so gerne mehr Zeit hätte für meinen Freund und meine Mädls, für Instagram und meinen Blog – einfach für mich. Deswegen habe ich zum neuen Jahr beschlossen, dass ich etwas ändern muss – und will. Ich will meine Zeit so nutzen, dass ich effektiv lerne, und nicht immer mal wieder auf mein Handy schaue, dann doch wieder anfange eine Serie zu schauen, und so weiter. Ich möchte insgesamt produktiver werden, mehr an einem Tag schaffen und mir so Zeit für andere Dinge freischaufeln. Um das zu schaffen brauche ich zwei Dinge: Organisation und Motivation im Medizinstudium. Viel Spaß beim Lesen!

1. Organisation

Ich habe gemerkt, dass es mir sehr hilft am Anfang des Tages relativ detailliert aufzuschreiben, was genau ich heute erledigen möchte. Dazu gehören Lernthemen, Seminaraufgaben, Haushalt, Einkaufen etc. In meinem Kalender habe ich meist alle Termine, Fristen und so weiter eingetragen, sodass es mir leichter fällt, früh festzulegen, was ich HEUTE alles schaffen möchte/muss. Das kommt dann auf ein Post-It und das liegt dann, immer schön sichtbar, an meinem Arbeitsplatz. Durch das detaillierte Aufschreiben fällt es mir zum einen leichter einzuschätzen, wie viel Zeit eine Aufgabe in Anspruch nehmen wird, zum anderen gibt einem das Abhaken oder Wegstreichen das positive Gefühl bereits etwas geschafft zu haben, auch wenn es nur eine kleine Aufgabe ist. An einem durchschnittlichen Tag sieht das dann so aus:

– Biochemie Podcast „DNA-Struktur 2“ anhören (nicht: Biochemie lernen)
– Eine Ladung Wäsche waschen (nicht: Haushalt machen)
– Biomüll rausbringen (nicht: Küche aufräumen)
– Abtestat-Fragen Physiologie-Praktikum vorbereiten (nicht: Physio lernen)
– Lernpaket 1 Psychologie lesen (nicht: für Psychoklausur vorbereiten)
– Pinterest-Grafik für Blogpost erstellen (nicht: Blogpost beenden)

So kann ich bevor ich eine Aufgabe anfange genau abschätzen wie viel Zeit mich das kosten wird (zum Beispiel dauert ein Biochemie-Podcast 55 min) und ob ich das vor meinem nächsten Termin noch schaffen kann. Ansonsten würde ich mir meistens einfach sagen „Schaff ich eh nicht mehr“, und meine Zeit absitzen bis ich los muss. [Kleine Info am Rande, weil diese Frage immer wieder kommt: Der Biochemie-Podcast von dem ich spreche ist lediglich unsere aufgezeichnete Vorlesung und auch nur für Medizinstudierende der Uni Leipzig zugänglich!]

Um mich selber ein bisschen zu kontrollieren, führe ich seit Oktober einen sog. „Habit Tracker“. Hier kann ich dann für jeden Tag festhalten, was ich alles gemacht/nicht gemacht habe: Gelernt, in der Uni gewesen, das Fahrrad statt der Bahn genommen, Sport gemacht, … (Und ja, November war ich ein ziemlicher Sportmuffel, Klausuren sei Dank:D) Dafür brauche ich lediglich eine Seite in meinem Kalender pro Monat, in der ich dann die Kategorien und die Tage von 01. – 31. festhalte und das zugehörige Kästchen ausmale, wenn ich besagte Sache an dem Tag gemacht habe. So kann ich genau sehen, wann ich was wie oft mache und motiviere mich zusätzlich selbst (man will ja die 5-Tage-in-Folge-Fahrrad-gefahren-Streak nicht abbrechen lassen). Das bringt mich auch schon zum nächsten Thema: Motivation im Medizinstudium.

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2. Motivation im Medizinstudium

Wie schaffe ich es, mich am Sonntag um 8.00 Uhr aus dem Bett zu quälen, während mein Schatz noch schlafend im Bett liegt, und mir zum wach werden erstmal einen Biochemie-Podcast reinzuziehen? Für mich ist das eine Sache der Motivation. Ganz generell bin ich in diesem Semester sowieso schon motivierter als letztes Jahr, weil mir die Fächer viel besser gefallen. Dieser ganze Physik- und Chemiequatsch ist abgehakt, Anatomie ist auch erledigt, und ich muss vor allem für Biochemie und Physio lernen. Besonders bei Physio erkenne ich sehr oft die klinische Relevanz, was mich motiviert, die Themen nicht nur auswendig zu lernen, sondern zu verstehen. Und ein Thema, das man verstanden hat lernt sich ja bekanntlich leichter.

Genauso wichtig ist es für mich, mir Ziele zu setzen. Ich möchte im Herbst mein Physikum bestehen, möglichst beim ersten Versuch. Dafür muss ich alle Prüfungen vorher bestehen, und dafür muss ich für jede Prüfung lernen. Ich hab mein Ziel vor Augen: Die Vorklinik hinter mir zu lassen, und den klinischen Abschnitt des Studiums beginnen; das Ende ist, irgendwo in weiter Ferne, in Sicht. Um sich das vor Augen zu halten gibt es sooo viele Möglichkeiten: Ein Moodboard auf Pinterest, Postkarten an der Pinnwand, das Schädelmodell auf dem Schreibtisch, oder in meinem Fall mein Stethoskop und weißer Klinik-Kittel. Beides nutze ich im Moment noch nicht wirklich, weil sich dazu in der Vorklinik einfach keine Gelegenheit bietet. Den Kittel könnte ich natürlich im Praktikum anziehen, aber dafür ist er einfach zu schön und zu schade. Am Ende sieht er aus wie mein aktueller Laborkittel, zerknittert und mit undefinierbaren Flecken versehen, deren Ursprung ich nicht mal mehr zuordnen kann (und will). Wenn es dann endlich in die Klinik und an die Untersuchungskurse geht, kommen Stethoskop und Kittel zum Einsatz und sie erinnern mich jeden Tag an mein Ziel Nummer 1: Physikum!

Tipps für mehr Produktivität, Organisation und Motivation im Medizinstudium und Alltag
[Stethoskop via http://www.erka.org/de/]

Das Studium hat natürlich noch das ganz große, übergeordnete Ziel: Ärztin werden! Viel zu oft vergesse ich, wofür ich eigentlich früh aufstehe und meine morgendlichen Frühstücksdates mit Endspurtskript und Biochemieprof im Ohr abhalte. Ich möchte Ärztin werden, und zwar eine richtig Gute – so Richtung Addison Montgomery (Tolle Frau, tolle Ärztin, toller Kleidungsstil und ich finde, fiktive Vorbilder sind auch erlaubt.) Und dafür ist lernen einfach unerlässlich, genauso wie die Grundlagen, mit denen man sich so oft rumärgern muss. Aber es wird sich lohnen! Das sehe ich jeden Tag auf Instagram bei den Mädls und Jungs, die jetzt ihr letztes StEx hinter sich bringen konnten, offiziell Ärzte sind und nach und nach die ersten Stellen antreten. Alle waren sie irgendwann mal in der Vorklinik, und konnte diese erfolgreich hinter sich bringen.

Generell muss ich sagen, dass Instagram eine riesige Motivation für mich ist. So viele motivierte Menschen die lernen, um Medizin studieren zu können, ihr Examen zu schaffen oder die nächste Prüfungsphase zu überstehen. Da MUSS man ja einfach mitmachen. Und es ist so toll, selbst jemand zu sein, der andere motiviert. Ich bekomme so oft Nachrichten, dass mein Profil inspirierend ist und sie motiviert, und das macht mich wirklich glücklich. Aber um motivieren zu können muss man eben auch was tun, und so schließt sich für mich der Kreis. Auch wenn ich am Anfang große Zweifel hatte, war es ein unglaublich guter Schritt mit Instagram und juleunddiemedizin anzufangen. Also, wer Lust aufs Bloggen hat und auch nach Motivation sucht: Traut euch, so ein Studyaccount kann einem so viel geben! Aber natürlich kostet Instagram auch ein bisschen Zeit, deswegen ist es für mich super wichtig die Zeit die ich habe möglichst effektiv zu nutzen, um auch produktiv sein zu können.

3. Effektivität und Produktivität

Das ist glaube ich bisher wirklich mein allergrößtes Problem gewesen. Mir fällt es unglaublich schwer vor einer Klausur zu sagen: „Jetzt wird 2 Stunden effektiv gelernt, dann mache ich eine Stunde Pause, lerne danach nochmal 1 Stunde und dann ist Feierabend.“ Bei mir ist das eher so ein Lernzeug-von-A-nach-B-Geschleppe (A=Bett, B=Sofa), immer mal wieder einen Blick in die Bücher werden, dann doch wieder keinen Bock haben, heulen („Ich fall doch eh durch, das hat alles keinen Sinn!“), dann aus lauter Panik doch mal was durchlesen und dann ist es plötzlich 22.00 Uhr. Selbst wenn ich dann eine Stunde gelernt hab, denke ich im Anschluss, ich könne das Thema sowieso nicht, und lese dann wieder halbherzig was durch ohne, dass es etwas nutzt. Pausen mache ich daher kaum, und Lernen artet immer zu einem Dauerzustand aus, der phasenweise gar nichts mehr bringt. Für diese Problematik habe ich immerhin eine kleine Lösung gefunden, die mir ein bisschen weiterhilft: Nachdem ich ein Thema gelernt habe, wird es gekreuzt. Das geht jetzt natürlich leider nur für die Medis, aber mir hilft das wirklich sehr weil ich dann genau weiß: Ich kreuze jetzt noch die 200 Fragen, dann ist das Thema für heute abgehakt, und ich kann zusätzlich gut reflektieren wie viel hängen geblieben ist.

Außerdem habe ich endlich für mich die Zeit definiert, während der ich am besten arbeiten und lernen. Bei mir ist das vormittags zwischen 8.00 und 12.00, das kann aber natürlich bei jedem ganz anders sein. Da ich in den Vorlesungen meist sowieso nur halbherzig zuhöre habe ich beschlossen, während der Zeit zu Hause zu bleiben und produktiv zu sein, denn wenn ich abends von der Uni nach Hause komme bin ich einfach zu kaputt. Jeder lernt anders, und es dauert seine Zeit herauszufinden, wann man selbst gut lernen kann, aber ich schaffe so viel mehr seit ich weiß, WANN ich am Besten funktioniere.

Um während des Lernens nicht von meinem Handy (und Instagram) abgelenkt zu sein, habe ich eine App die verhindert, dass ich ständig an mein Handy gehe. „Forest“ heißt die App, und sie funktioniert so: Man pflanzt einen Busch oder einen Baum, der eine individuell einstellbare Zeit (10 Minuten bis 2 Stunden) zum Wachsen braucht während derer man die App nicht verlassen darf – sonst verkümmert das Bäumchen, und das bringe ich einfach nicht übers Herz. :b Als Belohnung für jeden gewachsenen Baum bekommt man Münzen, mit denen man sich neue Baumarten kaufen kann, und ich gönne mir dann 5-10 Minuten am Handy. Für mich ist die App eine mega Hilfe, weil ich teilweise wirklich dazu neige, minütlich auf mein Handy zu klicken, einfach nur so.

Mein Wald könnte dann zum Beispiel an einem einigermaßen produktiven Tag so aussehen:

Processed with VSCO with hb2 preset

4. Kurz zusammengefasst:

Das sind also die Dinge, die mir bisher am besten geholfen haben, mich selbst besser zu strukturieren und produktiver an Aufgaben heranzugehen:

– Detaillierte ToDo-Listen helfen bei der Tagesstrukturierung und Planung.
– Ein Habit-Tracker dient nicht nur der Selbstkontrolle, sondern kann auch motivieren.
– Ziele sind wichtig, genauso wie sich diese vor Augen zu halten!
– Um ein Thema abzuschließen hilft es mir, am Ende die IMPP-Fragen dazu zu kreuzen.
– Jeder hat individuelle Zeiten, in denen er am besten lernt. Nutze diese!
– Dank der App „Forest“ bleibe ich fokussierter, lasse mich weniger vom Handy ablenken und mache sinnvolle, kurze Pausen.

Damit bin ich am Ende; war ja jetzt doch eine ganze Menge! Wenn Ihr noch Tipps habt, gerne ab damit in die Kommentare! Die würde ich dann, wenn sich ein bisschen was gesammelt hat nochmal in einem Post zusammenfassen. Vielleicht können wir uns ja so ein bisschen gegenseitig helfen? Ich freue ich auf jeden Fall sehr über weitere Tipps und natürlich Rückmeldungen, ob euch der Beitrag ein wenig helfen konnte. Ich wünsche euch allen viel Erfolg in der kommenden Prüfungsphase und eine schöne Woche!
Eure Jule Unterschrift

 

 

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14 Gedanken zu „Die Sache mit der Motivation – Medizinstudium

    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ich habe schon mal von der Technik gehört, sie aber noch nie selbst ausprobiert. Vielleicht mach ich das mal in der nächsten Klausurphase! 🙂

      1. Effektiv lernen funktioniert für mich damit extrem gut – weil ich weiß es sind „nur“ 25min und dann habe ich 5min Pause.
        Viel Erfolg dir in deinem Studium! (Du hast das schon geschafft, worauf ich hinarbeite, einen Studienplatz, also vielen Dank für deinen Blog 🙂 Er motiviert mich ungemein für die Schule 🙂 )

  1. Vielen Dank! Das hat mich wirklich motiviert😊
    Das wäre sehr nett, wenn du uns auch deine Erfahrungen fürs Physikum schreiben könntest, und wie die mündliche Prüfung so abgelaufen hat. Davor habe ich am meistendens Angst 😖

    1. Der Beitrag dazu kommt heute im Laufe des Tages online, da bin ich auch auf die mündliche Prüfung eingegangen. Wenn dann noch Fragen offen sind, einfach ein Kommentar hinterlassen! 🙂

  2. Liebe Jule,
    ich kann mich den Anderen hier nur anschließen wenn sie sagen, dass deine Posts – sei es auf Instagram oder hier – motivierend sind!
    Genauso wie die Instagram Posts der Anderen Dich motivieren können.
    Ich hänge leider total oft auf Instagram rum, aber sobald ich einen medizinischen Beitrag sehe, erinnert mich das sofort wieder an mein Ziel und dann habe ich unglaublicherweise wirklich Lust weiterzulernen (verrückt, ich weiß :D)
    Hast Du deshalb da vielleicht ein paar User Beispiele?

    Großes Kompliment an Dich und deine Posts. Ich lese sie wirklich gerne 🙂

    Liebe Grüße
    atez

    1. Hey, vielen Dank für die lieben Worte! ☺️ Freut mich wirklich sehr, dass ich Dich ein bisschen motivieren kann 🙂 Ich würde die Tage vielleicht mal ein Shoutout auf Instagram machen für meine liebsten Medi-Accounts, also schau dann einfach mal in meiner Story vorbei, vielleicht findest Du da noch ein paar schöne Accounts. Liebe Grüße, Jule 🙂

  3. Habe gerade deinen Blog entdeckt und finde ihn wirklich sehr interessant. Vielen Dank für die hilfreichen Tipps! Die App wird auf jeden Fall runtergeladen und den Habit Tracker werde Ich ab heute auch führen.

    1. Hallo liebe Maggie! Danke für deinen lieben Kommentar, es freut mich sehr, dass ich Dich ein bisschen für den Habit Tracker motivieren konnte. Ganz viel Erfolg Dir! 🙂

    1. Hallo Theresa, den gibt es bisher nicht. 🙂 Es ist auch kein richtiger Kalender, sondern nur ein Notizbuch aus dem ich selbst ein Bullet Journal gemacht habe, die Marke ist MemoMe (kann ich sehr weiter empfehlen, wenn man nach einem qualitativ hochwertigen Notizbuch fürs Journaling sucht!). Ich habe dazu keine Beiträge mehr verfasst, weil das Journaling für mich langfristig nicht geklappt hat – war einfach zu zeitaufwendig. Aber das Habit Tracking kann man ja auch ohne Bullet Journal machen:) Liebe Grüße, Jule

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