Medizinstudium – das 7. Semester an der Uni Leipzig

Wie immer kurz vor knapp, aber gerade noch pünktlich denke ich zurück an die Zeit von vor einem Jahr und rekapituliere für Euch das vergangene Semester an der Uni Leipzig, um Euch all‘ die Informationen mitzugeben, die ich vor dem 7. Semester gern gehabt hätte. Ich beziehe mich dabei vor allem auf das 7. Semester im Medizinstudium an der Uni Leipzig [Stand: WS 2019/2020], und würde ich freuen, wenn Ihr mich über Veränderungen „up to date“ haltet, damit ich die Beiträge immer wieder anpassen kann. Viel Spaß beim Lesen! [Ich benutze der Lesbarkeit halber immer mal wieder das generische Maskulinum, meine damit aber natürlich alle Geschlechter.]

Kurz vorweg ein paar einleitende Worte zum klinischen Studienabschnitt, speziell ab dem 7. Semester an der Uni Leipzig: Vom 7. bis zum 10. Semester hat man die „klassisch medizinischen“ Fächer, also Chirurgie, Gynäkologie und so weiter in Form von Vorlesungen und des Unterrichts am Krankenbett, kurz UaK. Alle Studierenden des 7. Semesters besuchen dabei gleichzeitig die gleichen Vorlesungen (in den gleichen Fächern) und schreiben die gleichen Klausuren, die auf den Vorlesungen basieren, die UaK’s unterliegen aber einem gesonderten System. Dabei gibt es nämlich je eine OP- und eine N-OP-Gruppe, wobei ich im 7. Semester der OP-Gruppe angehörte (das sind eher die höher nummerierten Kursgruppen), sodass ich im 7. Semester UaK in den operativen Fächern hatte, und mich somit auch nur dazu äußern kann. Zum 8. Semester tauschen die Gruppen dann. Die nicht-operativen Fächer, die ich im UaK also im 8. Semester gehabt hätte, sind nämlich leider der COVID19-Pandemie zum Opfer gefallen, sodass ich dazu keine Infos weitergeben kann. Außer meinem iPad, Kittel, Namensschild, Stethoskop und Untersuchungsleuchte habe ich auch keinerlei Materialien benötigt und mir keine neuen Bücher oder ähnliches gekauft.

UaK – der Unterricht am Krankenbett

Aber gut, starten wir den Beitrag mit den UaK’s, die auch chronologisch gesehen zuerst stattfinden, nämlich 90 Minuten lang zwischen 7.00 Uhr und 12.00 Uhr; wann genau man dran ist, kann man den Plänen im Studierendenportal entnehmen. Generell gilt, dass jeder Block UaK mit einer Prüfungsleistung abgeschlossen werden muss, was allerdings sehr ungenau formuliert ist und im konkreten Fall alles von „keine Prüfung“ bis „mündliche Prüfung + Patientenvorstellung“ sein kann. Welche Art der Prüfung man am Ende ablegt ist also sehr unterschiedlich und liegt teilweise am Fach, teilweise aber auch ganz individuell an den Vorstellungen des Dozenten, der die eigene Gruppe am letzten Freitag unterrichtet – da wird nämlich immer geprüft. Ich teile an dieser Stelle natürlich gerne meine Erfahrungen, die aber wie gesagt kein Garant dafür sind, dass es bei Euch ähnlich laufen wird, da eben jeder Dozent selber entscheidet, wie intensiv er prüft.

  • Anästhesie: Das war wirklich ein unfassbar guter UaK – mit Abstand der Beste, den ich bisher hatte. Es gab eine 1:1 Betreuung, man stand ab 7.30 Uhr mit in der OP-Schleuse und war bei der Einleitung und Teilen der OP dabei. Die Prüfungsleistung ist die „Ausführung einer praktische Tätigkeit“ (das war auch wirklich bei allen so, von denen ich bisher gehört habe). Ich habe für meine Unterschrift zum Beispiel einen Patienten kurz per Maske beatmet, was man sowieso hätte machen sollen/dürfen, und wovor man überhaupt keine Angst haben muss! Theoretisch sind aber auch Dinge wie Flexüle legen oder ähnliches als Prüfungsleistung möglich. Da gab es aber bei keiner Gruppe Probleme, der UaK war super organisiert und hat total Spaß gemacht.
  • Gynäkologie und Geburtshilfe: Auch der Gyn-UaK hat mir viel Freude bereitet, da man eine gute Mischung aus Station, OP, Lernklinik-Kursen und diversen Ambulanzen hatte, und auch die Organisation hat gut geklappt. Die Prüfung war in meiner Gruppe von allen Fächern die aufwendigste, da wir wirklich relativ intensiv geprüft worden sind. Dafür wurde jedem Studierenden eine Patientin zugeteilt, mit der man sich dann unterhalten durfte und die Fallakte studieren sollte. In der Prüfung mussten wir dann jeweils unsere Patientin vorstellen, und wurden anschließend noch mündlich auf Basis eines 80(?)-seitigen Skripts geprüft. Achtung: Unser Prüfer hat auch Fragen gestellt, die nichts mit der Patientin zu tun hatten! Wir hatten alle gynäkologische Patientinnen, es wurde aber auch teilweise Geburtshilfe geprüft. Mein Tipp: Bereitet Euch ordentlich vor, vor allem auf eurer eigenes Krankheitsbild (ich hatte zum Beispiel damals eine Patientin mit z.N. TMMR-OP), und haut dann bei Nachfrage alle passenden Infos raus, die Ihr parat habt. Ich habe mir noch ein paar Prozentzahlen rausgesucht und Informationen, die über das Skript hinausgingen, und wurde danach gar nichts mehr gefragt, was über „meinen Fall“ hinaus ging (zum Glück, weil Geburtshilfe hatte ich wie der Rest eigentlich nicht gelernt). Wer einen sicheren Eindruck gemacht hat, wurde weniger gefragt und umgekehrt. Es gab aber auch Prüfer, die weniger streng waren. Bestanden haben wir dann am Ende übrigens trotzdem alle, auch, wenn wir das 80-Seiten-Skript natürlich nicht konnten.
  • Viszeralchirurgie: Dieser UaK fand vorwiegend in Seminarform statt, wir haben also meist mit einer Dozentin oder einem Dozenten über bestimmte Krankheitsbilder geredet. Es gab auch einen OP-Tag, an dem ich allerdings krank war, sodass ich den natürlich nicht bewerten kann. Auch hier gibt es am Ende eine mündliche Prüfung. In unserem Fall lief es folgendermaßen ab: „Suchen sie sich ein Thema aus dem Lernzielkatalog aus und erzählen sie etwas dazu.“ Ich habe mir spontan „akutes Abdomen“ ausgesucht, und dann einfach alles aufgezählt, was Ursachen für ein akutes Abdomen sein können (Achtung: die „nicht-viszeralchirurgischen Ursachen aus Gyn&Co nicht vergessen), Appendizitis oder Hepatitis wären zum Beispiel auch möglich gewesen. Andere Gruppen wurden aber richtig abgefragt, sodass ich mich auch hier ein wenig vorbereiten würde. Bestenfalls findet diese thematische Vorbereitung schon pünktlich zum jeweiligen Kurstag statt, weil es natürlich für alle Seiten etwas unangenehm ist, zu viert mit einem Dozenten chirurgische Themen zu besprechen, und dabei auf keine Frage antworten kann. Dass jemand durchgefallen wäre, habe ich aber nicht gehört.
  • QSB11: Dahinter versteckt sich der Querschnittsbereich zu bildgebenden Verfahren, Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Man hat zwei Wochen Seminare (den ganzen Vormittag lang, nicht nur 90 min), ansonsten war es aber entspannt und eigentlich auch ganz interessant. An eine Prüfung kann ich mich nicht erinnern.
  • Urologie: In Urologie waren wir wieder in Ambulanzen, auf Station und im OP unterwegs, außerdem gab es einen Tag, an dem wir am Laparoskopie-Trainer üben durften (mein Highlight!), was alles in allem sehr spannend war. Als Prüfungsleistung wurde uns im Gespräch eine Frage gestellt, und wer die zufriedenstellend beantworten konnte hat dann seine Unterschrift bekommen, ich weiß aber leider nicht, wie das bei anderen Gruppen so war (da war ich schon zu sehr in Weihnachstsstimmung, als dass mich das noch interessiert hätte).
  • Unfallchirurgie: Das war meine letzte UaK-Woche nach Weihnachten, und auch dieser UaK war eher seminaristisch in Vorträgen gestaltet, und qualitativ auch gut. Wir wurden als Gruppe geprüft, aktive Mitarbeit wurde aber vorausgesetzt. Wären wir unvorbereitet gekommen und hätten nicht mitgemacht, hätte es sicherlich eine mündliche Prüfung gegeben; in anderen Gruppen wurde wohl geprüft, das war also sehr unterschiedlich.

Ihr seht, man kann zu den UaK’s keine Pauschalaussagen treffen, sondern muss diese wohl oder übel einfach auf sich zukommen lassen. Insgesamt haben die Kurse eigentlich immer Spaß gemacht, und vor allem aus meiner Sicht jetzt, wo die UaK’s im 8. Semester leider alle ausgefallen sind, weiß ich dieses Lehrformat noch mehr zu schätzen. Es schadet nicht, sich ein klein wenig vorzubereiten (oft sind die Tagesthemen vorher bekannt, sodass man ja kurz mal Amboss querlesen kann), es gibt aber keinen Grund zur Panik, was die Prüfungen angeht. Genießt es, solange es noch geht!

QSB-Seminare

Nach den UaK’s fanden dann von 13.00 – 13.45 Uhr die QSB-Seminare statt. QSB steht für „Querschnittsbereich“ und vereint alle Fächer, die man nicht einem konkreten klinischen Fach zuordnen kann. Dazu gehören zum Beispiel Pathologie, Pharmakologie und Mikrobiologie, und man hat dann immer passende Kurse zum UaK. Ein Beispiel: Zum Gyn-UaK passende QSB-Kurse wären in Pathologie „Mamma-Ca“ und in Virologie „Infektionen in der Schwangerschaft“. Die Teilnahme ist verpflichtend, die Inhalte sind jedoch nicht (!) klausurrelevant, weil ja nur die Hälfte aller Studierenden die Kurse in bestimmten Fächern schon im 7. Semester gemacht habt. Klausurrelevant sind einzig und allein die Vorlesungsinhalte – und, in Überleitungen war ich schon immer besonders gut.

Vorlesungen und Prüfungen

Wie bereits erwähnt, besuchen alle Studierenden die gleichen Vorlesungen, auf deren Grundlage dann auch die Klausuren geschrieben werden. Die Vorlesungen finden dabei täglich von 14.00 – 19.00 Uhr statt, im Moment aber natürlich online als Podcasts. Aber: auch in Nicht-Corona-Zeiten werden im 7. Semester an der Uni Leipzig in vielen Fächern Podcasts bereit gestellt, sodass ich in den allermeisten Vorlesungen mit physischer Abwesenheit glänzte und mich lieber zu Hause auf die Prüfungen vorbereitet habe. Auch hier stelle ich Euch wieder eine kleine Übersicht zusammen, und erzähle ganz kurz, wie ich die Prüfungen so empfunden und mich vorbereitet habe. Die Prüfungsform war in allen Fächern eine klassische MC-Klausur mit 30 Fragen.

  • QSB 6 (Umweltmedizin): Umweltmedizin habe ich als relativ wenig Aufwand in Erinnerung. Crucio lohnt sich ;-), und ich glaube es gab auch ein Repetitorium, dass sich ebenfalls mehr als gelohnt hat. Da es aber nur 14 Vorlesungen gab, war der Aufwand verhältnismäßig gering, und die Prüfung war auch sehr fair.
  • Anästhesie: Die Anästhesisten haben wirklich eine super gute Lehre gemacht, genau wie im UaK. Ich habe mich auch hier ausschließlich mit den Vorlesungen vorbereitet, was auch zum Bestehen gereicht hat, die Prüfung war aber unerwartet schwer. Für eine 1 reichen die Vorlesungen eher nicht aus, wie man die schaffen soll, weiß ich aber auch nicht.
  • Innere Medizin 1: Obwohl Innere ja mein Wunschfach ist, und mich auch total interessiert hat, war ich in dieser Klausur am schlechtesten. Das kann aber auch daran liegen, dass das bei uns die allerletzte Klausur im Semester war, und wir nach der Gyn-Prüfung nur knapp drei Tage zum Lernen von 55 Vorlesungen hatten. Ein Spaß. Für’s Bestehen hat’s gereicht, ich würde aber tendenziell etwas mehr als drei Tage einplanen, wenn möglich. 😀
  • Gynäkologie: Für Gyn habe ich auch größtenteils die Vorlesungsfolien genutzt, ergänzend das Skript vom UaK (wenn ich ein Thema da z.B. besser aufbereitet fand), und obwohl das Fach natürlich prinzipiell sehr spannend ist, war das eine der Klausuren, die im Semesterschnitt mit am schlechtesten ausgefallen ist. Bei mir war es in Ordnung, weil ich immerhin auf ein klein wenig Vorwissen aus dem UaK zurückgreifen konnte, aber auch hier war die 1 für Otto-Normalstudent meiner Meinung nach kaum zu schaffen.
  • Chirurgie 1: Chirurgie war, obwohl für mich am wenigstens interessant, meine beste Klausur, obwohl ich auch diese nicht als einfach empfunden habe. Letztendlich war hier der Anteil der Fragen, die mit Vorlesungswissen beantwortet werden konnte aber relativ hoch. Lerntechnisch waren Chirurgie und Innere übrigens auf jeden Fall die aufwendigsten Fächer, da es jeweils über 50 Vorlesungen zu Lernen galt. Zum Vergleich: In Gyn und Anästhesie waren es „nur“ 27.

Generell möchte ich noch ein paar Dinge zu den Klausuren loswerden. Ich bereite mich wirklich nur mit den Vorlesungen und Crucio (!) vor, da jeder Dozent andere Schwerpunkte setzt als irgendein Lehrbuch, und ich das daher als wenig sinnvoll erachte. Abgesehen davon ist der Klausurplan in der Klinik eng gestrickt, man hat vormittags UaK und QSB und jeden Nachmittag werden 4-5 Stunden neues Vorlesungsmaterial hochgeladen – man MUSS Prioritäten setzen, und nur Einser zu schreiben hat für mich überhaupt keine Priorität. Leider werden auch immer wieder in fast allen Fächern Fragen gestellt, die man nur mit dem Vorlesungsmaterial nicht beantworten konnte, selbst wenn man alles Wort für Wort auswendig gelernt hat, daher versuche ich das gar nicht und würde das auch nicht empfehlen. Hauptsache bestanden ist hier wirklich das wichtigste, vor allem weil im 8. und 9. Semester dann je neun Klausuren im Plan stehen und nicht nur 5. Man wird mit der Zeit aber entspannter und findet so seine Strategien, versprochen.

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Einen Tipp habe ich noch: Sucht Euch, wenn möglich, einen Lernbuddy der in der jeweils anderen Gruppe ist. Ich habe zum Beispiel immer mit Elli gelernt, die in der N-OP-Gruppe war, sodass ich das „praktische“ Wissen aus den OP-Fächern hatte, und sie aus den internistischen und wir uns dann beim Lernen für die entsprechenden Klausuren immer gegenseitig mit UaK-Wissen helfen konnten. Auch hier wieder ein Beispiel: Beatmung ist ein Thema, was wesentlich leichter ist, wenn man schonmal dabei war, als wenn man es nur auf Vorlesungsfolien nachließt. Da ich Anästhesie schon hatte, konnte ich da noch ein paar Zusatzerklärungen anbringen, weil ich ja schonmal dabei war. Umgekehrt habe ich beim Dermatologie Lernen im 8. Semester sehr davon profitiert, dass Elli den UaK schon hatte. Wir haben uns meistens beide erstmal selbst mit den Vorlesungen beschäftigt und uns dann getroffen, um alles (!) durchzusprechen, Fragen zu klären und uns so gegenseitig zu helfen. Diese Strategie hat meist gut funktioniert, und wir haben sie bisher beibehalten.

Am Ende des 7. Semesters wartet an der Uni Leipzig dann noch der POL-2-Kurs, was sicherlich einer der coolsten Kurse im ganzen Studium ist. Dazu gibt es dann denke ich wieder einen gesonderten Beitrag, um hier nicht den Rahmen zu sprengen – sollte es bis Weihnachten keinen geben, schreibt mir unbedingt, dann hab ich’s vergessen. 😀

Sollten jetzt noch Fragen offen sein, oder sich etwas verändert haben, scheut Euch nicht mir zu schreiben! Ihr erreicht mich per Mail über das Kontaktformular oder auch per Direktnachricht auf Instagram. Es dauert zwar manchmal etwas, aber grundsätzlich versuche ich so gut es geht auf alle Nachrichten zu antworten und helfe gern, wo ich kann! Auf ein erfolgreiches neues Semester!


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