Jule und das Physikum – So bestehst Du das 1. Staatsexamen im Medizinstudium!

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Das Physikum, Schrecken aller Medizinstudenten der Vorklinik und definitiv eine große Herausforderung. Im August 2018 konnte ich mein Physikum, das 1. Staatsexamen im Medizinstudium, erfolgreich hinter mich bringen und da sich viele einen Post dazu gewünscht haben und auch ich gerne diese Berichte gelesen habe um mich mental auf das vorzubereiten, was da auf mich zukommt gibt es jetzt für euch meinen Post zum Physikum mit den Antworten auf eure Fragen!

Dabei beruht natürlich alles auf meinen persönlichen Erfahrungen und bezieht sich auf das Physikum im Medizinstudium an der Universität Leipzig im Herbst 2018.

Viel Spaß beim Lesen!

„Was ist das Physikum überhaupt?“

„Physikum“ bezeichnet im Medizinstudium umgangssprachlich den 1. Abschnitt der ärztlichen Prüfung, das 1. Staatsexamen, das alle Humanmedizinstudenten nach dem 4. Semester, also nach der Vorklinik absolvieren müssen. Dabei gibt es einen schriftlichen Teil der an zwei Tagen Ende August geschrieben wird und die Fächer Anatomie, Physiologie, Biochemie, medizinische Psychologie und Soziologie (je 60 Fragen), Histologie, Biologie, Physik und Chemie (je 20 Fragen) abdeckt. Dabei schreiben alle Studenten in Deutschland gleichzeitig die selbe Prüfung.

Außerdem muss man eine mündliche Prüfung bestehen; diese findet an manchen Unis bereits vor der schriftlichen, an den meisten aber innerhalb von vier Wochen nach der schriftlichen Prüfung statt. Dabei wird man in Kleingruppen (3-4 Studenten) in Anatomie (inklusive Embryologie und Histologie), Physiologie und Biochemie geprüft, die Prüfer sind Dozenten der eigenen Universität.

Hat man das Physikum im Medizinstudium dann bestanden geht es endlich los mit dem klinischen Studienabschnitt: Untersuchungskurs, Famulaturen, Chirurgie, Unterricht am Krankenbett aber auch Geschichte und Ethik der Medizin, klinische Chemie und Histopatho warten.

„Wann im Medizinstudium darf/muss ich das Physikum absolvieren?“

Vorraussetzung dafür ist es, alle vorklinischen Scheine erhalten zu haben also „scheinfrei“ zu sein; das ist regulär der Fall nach dem 4. Semester. Dafür muss man die entsprechenden Klausuren bestanden und an allen erforderlichen Pflichtveranstaltungen teilgenommen haben. Außerdem muss man drei Monate Krankenpflegepraktikum absolviert (innerhalb von zwei Jahren vor dem Studium oder in den Semesterferien währenddessen), einen Kurs in erster Hilfe belegt und einen Tag mit Berufsfelderkundung verbracht haben (ich war zum Beispiel beim Betriebsarzt, die Anforderungen unterscheiden sich aber von Uni zu Uni also gut informieren, was anerkannt wird!). Hier gibts alle Infos: Landesprüfungsamt für akademische Heilberufe Sachsen.

Wenn alles erledigt ist werden die entsprechenden Dokumente zusammen mit Abiturzeugnis und Geburtsurkunde an das Landesprüfungsamt geschickt und Anfang August flattert dann die Ladung zum schriftlichen Teil ins Haus. Für die Mündliche wird man gesondert geladen und zwar genau 14 Tage vor dem eigentlichen Termin (so ist das in Sachsen). In diesem Brief erfährt man die Prüfer und seinen Termin, mit etwas Glück hängen die Unis aber schon vor der Schriftlichen inoffizielle Terminlisten aus, sodass man etwas besser planen kann.

Hat man nicht alle Scheine oder möchte aus anderen Gründen nicht direkt am Physikum teilnehmen meldet man sich einfach nicht an. Nachgeholt werden kann das dann zum Beispiel im Frühjahr ein halbes Jahr später, man muss insgesamt nur aufpassen nicht zu lange zu warten, da zwischen manchen Praktika und dem Physikum nicht mehr als zwölf Monate liegen dürfen, also auch hier wieder gut informieren!

„Wann hast Du angefangen zu Lernen?“

Ich habe erst mit dem Lernen angefangen nachdem ich alle vorklinischen Klausuren geschrieben hatte, schließlich ist das die Voraussetzung um überhaupt zugelassen zu werden. Der Tag der Scheinfreiheit war bei mir der 28. Juni – anschließend habe ich mir drei Tage freigenommen und dann ganz langsam angefangen, im Chemie-Endspurtskript zu lesen, um mir für meinen Lernplan, der regulär am 7. Juli anfing ein bisschen Puffer zu verschaffen. Für Urlaub davor oder einen 90-Tage-Lernplan hatte ich also definitiv keine Zeit.

Zum Thema Lernplan: Ich hatte mich orientiert an den Lernpaketen der Endspurtskripte, da ich auch während der Semester mit Endspurt gelernt hatte und das für mich am praktischsten war. Pro Tag standen ein oder zwei Lernpakete auf dem Plan, je nachdem wie lange die Themen her waren und wie leicht oder schwer mir das Fach fiel. Die Sonntage waren theoretisch frei, also als Puffer oder eben zum Entspannen nutzbar und acht Tage vor dem schriftlichen Examen war ich dann mit dem Stoff durch, sodass die letzten acht Tage nur zum Wiederholen und Kreuzen da waren.

Beim Lernen habe ich vormittags immer versucht die Themen so gut es geht durchzuarbeiten und am Nachmittag dann die Fragen zum Thema des Vortags gekreuzt. Je nachdem wie viel Zeit und Lust ich danach noch hatte hab ich mich dann mit den smartmedix-Lernkarten hingesetzt und die Themen nochmal wiederholt, um ein wenig für die Mündliche zu üben. Ein Tipp noch für alle, die sich auch einen Lernplan erstellen wollen: Gerade in Biochemie und Physio überschneiden sich viele Themen (zum Beispiel Hormone oder Blut), die kann man sich gut für den gleichen Tag einplanen, weil eh in beiden Skripten fast das Gleiche steht. Mein Plan bestand am Ende aus 32 Tagen an denen ich effektiv Stoff gelernt habe plus die Sonntage plus die Tage am Ende zum Wiederholen  (ich habe also 45 Tage vorher angefangen) und war dem von Thieme sehr ähnlich, allerdings bezieht sich dieser nicht auf die Lernpakete sondern auf zusammengestellte Module, was mir nicht so zugesagt hat. Außerdem habe ich die Reihenfolge der Fächer etwas verändert.

„Wie hast Du Dich für den schriftlichen Teil vorbereitet?“

Ich glaube am wichtigsten ist es sich bereits während der Vorklinik darüber klar zu werden, womit man für das Physikum lernen will. Alle Fächer die ich bereits ein- oder zweimal im Endspurt gelesen und gelernt hatte waren viel schneller wieder da als die Themen, für die ich das Endspurt nicht genutzt hatte (zum Beispiel Bio). Mögt Ihr Endspurt? Lernt damit auch für die Semesterklausuren (ergänzend dann die Vorlesungsfolien für Details anschauen, ich hab da immer Post-Its mit dem Extrawissen in die Skripte geklebt)! Lieber medilearn? Auch gut! Habt Ihr immer Zusammenfassungen geschrieben? Auch in Ordnung! Aber vor dem Physikum mit einem komplett neuen Lernmedium einzusteigen ist denke ich sehr zeitaufwendig und auch anstrengender. Außerdem finde ich es super wichtig sich nicht von anderen beeinflussen zu lassen. Es gibt eben verschiedene Lerntypen – manche brauchen es ausführlich, andere lieber kurz und knapp. So wie Du es machst, ist es genau richtig! Da das Interesse daran aber sehr groß war, möchte ich trotzdem mit euch teilen wie ich für das Physikum gelernt habe.

Ich habe mich vor allem mit den Endspurtskripten vom Thieme-Verlag vorbereitet, da mir diese optisch mehr zusagen als zum Beispiel medilearn aber ich glaube, beide sind da sehr gut. Dabei kann ich die aktuelle Auflage empfehlen da dort dann mehr von den Fakten drinstehen, die sich das IMPP in den letzten Jahren so ausgedacht und abgeprüft hat. Außerdem ist es super praktisch, dass es immer nach jedem Abschnitt die gelben Fazit-Kästen gibt, in denen nochmal alles steht was in den letzten fünf Jahren gefragt wurde – in der Woche vor der Prüfung habe ich nur noch diese gelben Kästen gelesen und da sich manche Fragen immer wieder wiederholen hat sich das auch total gelohnt. Statistisch gesehen lohnt es sich übrigens auch am meisten sich beim Kreuzen auf die Examen der letzten fünf Jahre zu konzentrieren, da das dann den Großteil der Fragen abdeckt, die sich wiederholen. Ich selber habe aber die Examen ab 2006 gekreuzt, zur Übung.

So, und jetzt zu den einzelnen Fächern:

Mit Physiologie habe ich angefangen, da mir dieses Fach noch am leichtesten fällt und ich Angst hatte mit Biochemie zu beginnen und in den sechs Wochen bis zum Examen alles wieder zu vergessen. Dabei habe ich dann früh immer das Endspurt-Skript gelesen, nachmittags gekreuzt und wenn ich noch Zeit dafür hatte die Themen mit smartmedix wiederholt.

Anschließend kam Physik. Daran bin ich zwischenzeitlich echt verzweifelt und auch wenn ich das eigentlich nicht explizit lernen wollte, habe ich dann doch das Endspurtskript überflogen. Tatsächlich galt hier: „Übung macht den Meister“ und „Ganz viel kreuzen“! Denn der Großteil der Rechenaufgaben ist gar nicht so schwer, und mit ein paar wenigen Formeln kann man tatsächlich Punkte rausholen. Und auch wenn man die Formel nicht weiß kann man sich oft mit Hilfe der gegebenen Einheiten den Rechenweg herleiten. Theorie konnte ich gar nicht, da hab ich dann immer geraten und c) oder d) angekreuzt (das ist in Physik statistisch gesehen am häufigsten richtig). Und tatsächlich habe ich alle Aufgaben die ich gerechnet habe auch richtig gerechnet und bin am Ende auf 70% gekommen, obwohl ich Physik echt nicht gut kann und auch nicht mega viel dafür getan habe. Mein Tipp also: Wenn man Zeit dafür hat, ganz viele alte Fragen rechnen und üben!

Chemie war das nächste Fach und das war im Examen echt eine halbe Katastrophe. Obwohl ich die Theorie gelesen und auch alle Fragen mehrfach gekreuzt habe bin ich am Ende nur auf 50% gekommen, weil die Fragen einfach schwer waren (meine Meinung). Da es aber in Chemie wie auch in Physik nur 20 Punkte gibt, sollte man hier definitiv nicht zu viel Zeit verschwenden – bei mir hat sich das Lernen für das Fach irgendwie gar nicht gelohnt.

Weiter ging es im Plan mit Anatomie, meinem vorklinischen Endgegner. Hier habe ich meistens zwei Lernpakete an einem Tag gelernt weil ich ja im Mai sowieso im Zweitversuch Anatomie war, die Endspurtskripte bis dato schon drei Mal durchgearbeitet hatte und auch die Altfragen noch fast alle konnte, deswegen ging das bei mir ein bisschen schneller. Das Durchfallen hatte also tatsächlich etwas Gutes – den entsprechenden Blogbeitrag dazu gibts hier. Wort für Wort auswendig gelernt habe ich hier aber nichts, das kam dann erst bei den ganz blöden Themen für die Mündliche.

Histo, my dear friend. Auch hier galt: Endspurt und viel Kreuzen. Tatsächlich war es im Examen letztendlich so, dass die meisten Bilder die gezeigt worden sind bereits aus alten Examen bekannt waren aber andere Fragen gestellt worden sind. Natürlich konnte man die Fragen leichter beantworten, wenn man zum mindest grob eine Vorstellung hatte um welches Organ es sich hier eigentlich handelt. Kreuzen lohnt sich also! Zu Histo hat dann auch wieder das Lernpaket 1 in Biologie gepasst, da beides unter anderem Zytologie behandelt hat, das hab ich wieder zusammen gelernt.

Weiter ging es mit Biochemie – hier hab ich mir etwas mehr Zeit gelassen da es an vielen Tagen die Überschneidung mit Physio gab und man so etwas mehr lesen musste und es dadurch auch mehr Altfragen gab. Außerdem hatte ich Bio in meinem Lernplan am Anfang vergessen und musste das dann noch zwischenschieben. Dafür war es jetzt schon August, sodass ich mir die ganzen Fakten „nur“ noch drei Wochen merken musste.

Für den Schluss habe ich mir Psycho aufgehoben. Psycho nimmt ein bisschen eine Sonderstellung ein da es mit 60 Fragen vertreten, aber für die Mündliche nicht relevant ist. Außerdem kann man viele Psycho-Fragen mit gesundem Menschenverstand beantworten oder spätestens dann, wenn man das Endspurtskript gelesen hat. Aber auch in Psycho gibt es schwere Themen und obwohl mir dieses Fach in der Uni am leichtesten fiel war es im Examen von den „großen“ Fächern am Ende mein Schlechtestes – die Fragen waren aber meiner Meinung nach auch tatsächlich schwerer als die letzten Jahre, dafür fand ich aber zum Beispiel die Histofragen etwas leichter. Psycho ordentlich zu lernen lohnt sich definitiv weil man mit wenig Aufwand viele leichte Punkte holen kann, und auch hier gilt: Ganz viel Kreuzen! Im Grunde genommen werden immer wieder die selben Themen abgeprüft, nur mit bisschen veränderten Fragen oder an anderen Beispielen.

Ich habe mich also vorwiegend mit den Endspurtskripten vorbereitet (überhaupt nicht mit irgendwelchen großen Lehrbüchern, da wäre ich bis Weihnachten nicht fertig geworden), habe viel gekreuzt und bin am Ende mit einer guten Note rausgegangen. Also ja, man kann „nur“ mit Endspurt eine gute Note erreichen, wenn man den Großteil der Skripte gut drauf hat! Wie man letztendlich lernt hängt aber maßgeblich davon ab, was das Ziel ist: Einfach nur bestehen wollen (dafür ist Endspurt mehr als ausreichend), oder eben doch eine bestimmte Note?

Wie läuft der schriftliche Teil des Physikums im Medizinstudium ab?

Die Prüfung findet an zwei aufeinander folgenden Tagen im August statt (bei uns waren es der 21. und 22. August). Dabei hat man je vier Stunden für die Bearbeitung von 160 multiple choice Fragen pro Tag Zeit.

1. Tag: Physik (20), Chemie (20), Physiologie (60), Biochemie (60)
2. Tag: Biologie (20), Histologie (20), Anatomie (60), Psychologie (60)

Im Grunde genommen reicht die Zeit aus (bei der Generalprobe war ich viel früher fertig!), am ersten Tag hab ich aber am Ende nur noch zehn Minuten Zeit gehabt um zu überprüfen, ob ich auch alles richtig übertragen habe, weil ich mir beim Rechnen und auch generell viel Zeit gelassen habe um Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden. Und ja, man darf so oft man will auf Toilette gehen. Am zweiten Tag hatte ich dann wie erwartet 1,5 Stunden übrig am Ende, weil es hier halt nichts zu Rechnen gab und entweder man wusste die Lösung oder nicht. Hier konnte ich dann auch alle Antworten nochmal durchgehen und zwischendurch entspannt Pausen machen. Theoretisch kann man auch früher abgeben (dann darf man den Fragebogen aber nicht direkt mitnehmen sondern muss bis Ablauf der regulären Zeit warten bis man diesen abholen kann). Als Richtlinie sollte man sich bereits zu Beginn der Prüfung eine kleine Notiz nach je 40 Fragen machen, um zu sehen wie man in der Zeit liegt ohne groß rechnen oder darüber nachdenken zu müssen. Beginnt die Prüfung um 9.00 sollte man sich also nach Frage 40 eine kleine „Jetzt sollte es 10.00 Uhr sein“-Markierung setzen, nach 80 Fragen „11.00“ und so weiter. Aber keine Panik: Bei mir waren die ersten 40 Fragen Physik und Chemie und für das Rechnen habe ich viel länger gebraucht als für die nachfolgendenen Fächer.

Mitbringen muss man die Ladung, einen gültigen Personalausweis oder Reisepass und was man eben so braucht. Das Landesprüfungsamt Sachsen besteht darauf, dass die Prüfung mit Bleistift geschrieben wird, also benötigt man Bleistifte (der empfohlene Härtegrad ist HB, 2B oder B), einen Radiergummi und Spitzer. (Was erlaubt ist und benötigt wird könnt Ihr eurer Ladung entnehmen, das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich). Außerdem hatte ich noch dabei: Genug zu trinken, Traubenzucker (erst am Ende nehmen, nach dem Energiekick folgt nämlich das Tief), Schokolade (Lebensretter!), Nussriegel (habe ich aber letztlich gar nicht gegessen, sondern nur die Schokolade), Kaugummi (laut einer Studie bringt man Kaugummi kauend bessere Leistungen) und Ibuprofen für den Notfall. Man wird auch nicht durchsucht, darf aber  nur die eben genannten Sachen auf dem Tisch haben, die Taschen und Jacken lagen bei uns am Rand.

Die offiziellen Ergebnisse der schriftlichen Prüfung gibt es dann ein paar Wochen später per Post, wer aber seinen Fragebogen mitgenommen hat, der kann sein Ergebnis  bereits am gleichen Tag erfahren da die Fragen den Tag über von Dozenten gelöst und die Ergebnisse dann von medilearn auf Facebook gestellt werden. Man kann also vergleichen und sich zum Mindest ein grobes Bild davon verschaffen, wie man abgeschnitten hat. Es werden aber auch noch mal Fragen rausgenommen und auch die Dozenten machen Fehler, also bevor man Panik bekommt lieber nochmal auf die offiziellen Ergebnisse warten!

„Und wie ist das mit der mündlichen Prüfung?“

Hach ja, die mündliche Prüfung. In Leipzig findet sie nach dem schriftlichen Teil statt, die ersten Studenten sind schon knapp eine Woche danach dran, die letzten ca. vier Wochen danach. Wie man sich hier vorbereiten sollte kommt auf mehrere Faktoren an:

– Bin ich eher der mündliche oder schriftliche Typ?
– Wann erfahre ich meinen Prüfungstermin?
– Habe ich einen frühen oder späten Termin?
– Gibt es Altprotokolle?

Generell würde ich sagen, man sollte erst nach der Schriftlichen so richtig mit dem Lernen für die Mündliche anfangen; sollte man einen frühen Termin erwischt haben so wie ich, dann frühestens sobald man seine Prüfer weiß, alles andere macht irgendwie wenig Sinn. Mein Termin war der 31. August, also hatte ich noch acht Tage nach der Schriftlichen Zeit um mich vorzubereiten, wusste aber bereits am Freitag vorher meine Prüfer, da die Briefe 14 Tage vorher zugestellt werden – dementsprechend groß war die Panik, und die Doppelbelastung war furchtbar. Ich hatte das Gefühl, mich weder auf das eine noch das andere richtig vorbereiten zu können, und bin dann wie folgt vorgegangen:

Als erstes habe ich mir die Altprotokolle zu meinen Prüfern organisiert und direkt damit angefangen, diese zu lesen und mir die Themen und tricky Fragen der Prüfer rauszuschreiben. Da meine Prüfer alle schon lange prüfen hatte ich dementsprechend viel zu lesen und war zwei Tage lang nur damit beschäftigt, die Protokolle durchzuarbeiten und mir alle Themen rauszuschreiben. Anschließend habe ich mir einen Plan aufgestellt, wann ich was Lernen will (theoretisch), und mich dann aber wieder voll auf die Schriftliche konzentriert. Mir sind schriftliche Prüfungen einfach lieber und da ich dachte ich würde schriftlich besser abschneiden habe ich dann die verbleibenden beiden Tage (Sonntag und Montag) noch ganz viel gekreuzt (auch nochmal die Physikfragen) und die gelben Kästen im Endspurt gelesen.

Dienstag fand dann der erste Tag der schriftlichen Prüfung statt; nachmittags habe ich mich dann nochmal hingesetzt und die Fächer für den zweiten Tag mit den Kästen wiederholt, vor allem Histo und Bio was mir tatsächlich auch nochmal den ein oder anderen Punkt eingebracht hat an Tag 2.

Den Mittwoch nach dem Examen habe ich mir freigenommen; da war ich eh zu nichts im Stande. Jetzt hatte ich noch genau acht Tage Zeit, um mich vorzubereiten, dabei habe ich mit Anatomie angefangen (Donnerstag, Freitag und Samstag), dann Biochemie gemacht (Samstag nachmittag, Sonntag, Montag vormittag) und zum Schluss bis einschließlich Dienstag Physio (das hatte ich mir fürs Ende aufgehoben, weil ich hier noch am ehesten was hätte improvisieren können, wenn ich das zeitlich nicht mehr geschafft hätte). Drei mal habe ich mich mit einer Freundin zum gegenseitigen Abfragen getroffen, außerdem war ich mikroskopieren und habe mir in der Anatomie nochmal die Modelle angeschaut, an denen wir geprüft worden sind. Den Mittwoch habe ich dann mit meiner Freundin verbracht und nochmal alles was wir schwer fanden durchgesprochen und geübt, am Donnerstag wiederholt was ich noch nicht oder nur schlecht konnte und Freitag um 8.00 Uhr hatte ich dann die Prüfung.

Ein paar Tipps von mir:

– Wenn es eine repräsentative Anzahl von Altprotokollen gibt, kann man sich im Grunde genommen drauf verlassen, dass auch vorwiegend diese Themen geprüft werden. Und auch wenn dann vielleicht die ein oder andere unbekannte Frage kommt weiß man ja erstens trotzdem was (man hat ja für die Schriftliche alles gelernt) bzw. fällt auch keiner durch, wenn man mal eine Frage nicht beantworten kann. Ich habe nur die Themen wiederholt, die laut Altprotokollen geprüft werden (das waren definitiv schon super viele, aber ein bisschen was weglassen konnte ich trotzdem) und die Themen, zu denen ich Fragen bekommen habe waren auch die die ich so auf dem Schirm hatte, in allen drei Fächern.

– Die Lernkarten von smartmedix kann ich euch wirklich ans Herz legen. Ich habe mich auch für die Semesterklausuren damit vorbereitet und für das mündliche Physikum waren sie wirklich goldwert! Auf der Vorderseite stehen Fragen, mit denen man perfekt üben kann, auf der Rückseite (wie ein Skript) die Antworten und es wurde nicht nur auf die Details die zur Schriftlichen notwendig waren eingegangen, sondern auch auf „Verständnisfragen“ wie sie in der Mündlichen gerne gefragt werden (Beispiel: „Was sind Kohlenhydrate?“ Da müsste ich erstmal sehr lange überlegen, wie man das am Besten kurz und knackig beschreibt, hätte ich es mir nicht vorher bei smartmedix angeschaut). Außerdem war es sehr praktisch, dass man so Themen die man nicht gut verstanden hat  im Notfall einfach so auswendig lernen konnte, wie sie auf der Karte standen, da die Antworten für eine Mündliche Prüfung eben perfekt aufbereitet waren. Große Herzensempfehlung!

– Wer ohne Probleme durch die Semester gekommen ist, fällt auch in der mündlichen Prüfung nicht durch. Ich dachte immer, für jeden Fehler gibts gleich eine Note schlechter, und ab vier Fehlern ist man dann eben durchgefallen. So ist das nicht! Ich hatte eher das Gefühl, die Prüfer wollen sehen, dass man vorbereitet ist, die Grundlagen verstanden hat und in der Lage ist, bei den Fragen die sie stellen und die bisschen über das Grundwissen hinausgehen, mitzudenken. Mein Biochemie-Prüfer zum Beispiel fragt immer so lange weiter ins Spezielle, weil er wissen will wie weit er gehen kann. Dabei muss man nicht alles wissen! Ich habe von diesen Spezial-Fragen definitiv nicht alles gewusst, und hatte am Ende trotzdem eine super Note. Und auch wenn man mal einen Fehler macht oder falsch rät oder ist das kein Beinbruch, absolut nicht. Um durchzufallen muss man eigentlich in mindestens zwei Fächern wenig bis gar nichts wissen, aber solange die Basics sitzen und man zu jedem Thema wenigstens irgendwas sagen kann fällt niemand durch!

– Nicht zu sehr auf Details versteifen, z.B. Histo und Embryo. Da reicht es wirklich nur die Sachen von den Altprotokollen zu können und wenn der Prüfer nicht gerade super viel wert auf Histo legt ist es auch meistens nicht schlimm, wenn man da nicht so viel zu sagen kann. Aber das merkt man dann auch beim Altprotokolle lesen, worauf die Prüfer viel Wert legen. Und es ist natürlich immer schön, wenn man das ein oder andere gleich mit interessanten Klinik-Fakten untermalen kann. Ich habe gemerkt, dass man bei Stoffwechselwegen zum Beispiel nicht jedes Enzym nennen muss, sondern sich lieber das Schrittmacherenzym und die Regulation anschaut, dafüraber  beschreiben kann, was z.B. bei der Lipolyse passiert. Das Gleiche gilt für Anatomie: Lieber Muskelgruppen mit Innervation und Bewegung lernen als von allen Muskeln Ansatz und Ursprung! Das kostet zu viel wertvolle Zeit, und wenn der Prüfer das doch wissen will und man weiß es nicht, fällt man auch noch lange nicht durch.

Das alles sind natürlich meine subjektiven Erfahrungen und gilt nicht, wenn Stoffwechselwege das Lieblingsthema des Prüfers sind – dann würde ich mir das genauer anschauen. Und wenn man mehr Zeit hat und nicht wie ich nur acht Tage schafft man es eigentlich auch sich alles noch einmal anzuschauen, was relevant ist.

„Ist das Physikum im Medizinstudium wirklich so schlimm, wie immer alle sagen?“

Die Antwort auf diese Frage ist natürlich sehr subjektiv, kommt darauf an welche Prüfer und welchen Termin man hatte und wie man generell mit Druck umgeht. Auf der einen Seite würde ich sagen, ja, es war wirklich hart, das Abitur ist nichts gegen einige Klausuren an der Uni (meine Meinung), und das Physikum ist noch zehn Mal härter als die Uni-Klausuren.

Auf der anderen Seite waren die Prüfungen an sich nicht so schlimm (für mich) weil ich schriftlich meist keine Probleme hatte und die Fragen vom IMPP (Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen) teilweise sogar leichter sind als die ein oder andere Klausurfrage von unseren Dozenten. Mündlich war ich mega aufgeregt, weil ja bisher noch kaum jemand dran war und ich null wusste was auf mich zukommt, als ich dann aber in der Prüfung saß war es echt entspannt, viel mehr ein Gespräch als eine Prüfung, alle waren sehr nett und es war gar nicht so schlimm wie erwartet.

Trotzdem würde ich sagen, dass dieser Sommer kein Zuckerschlecken war. Ich bin jemand der immer gerne alles plant und da wir unsere mündlichen Prüfungstermine erst relativ spät bekommen haben wusste ich nie, wann ich denn jetzt für die schriftliche oder die mündliche Lernen sollte. Ständig hat man gehofft, dass man einen späten Termin bekommt (lol) und als die Termine dann raus waren hatte man diese krasse Doppelbelastung. Das Lernen und Kreuzen an sich ging wirklich klar, nur als ich dann meine Prüfer und den Termin wusste und gesehen hab wie wenig Zeit das ist bin ich echt halb durchgedreht. Letztendlich war es eine gute Entscheidung die Protokolle vor der Schriftlichen zu lesen, aber so richtig erst danach zu Lernen. Und das Meiste hatte man ja auch vorher schonmal irgendwie gelernt gehabt und musste („nur“) noch üben, das auch mündlich präsentieren zu können (wiedergeben und erklären ist eben doch etwas anderes als erkennen und ankreuzen).

Mal abgesehen von der Lernerei, die natürlich super anstrengend und nervig war (vor allem wenn alle anderen am See chillen) fand ich auch den Druck, dem man ausgesetzt war ganz schön krass. Wenn es nicht klappt, sei es wegen einem Punkt schriftlich oder einem Blackout mündlich muss man ein halbes Jahr warten, bevor man im Frühjahrsphysikum dann erneut antreten darf. An sich ist das natürlich kein Weltuntergang aber so richtig Lust darauf hat denke ich keiner. Hat man die Schriftliche bestanden muss man übrigens so weit ich weiß im Frühjahr nur die Mündliche nachholen. Der Großteil schafft aber das Physikum beim ersten Mal (Herbst 2017 sind im schriftlichen Teil durchschnittlich 9% durchgefallen, dazu zählen aber auch die, die Ihren Zweit- oder Drittversuch hatten; mündlich klappt dann eigentlich bei den Meisten).

Also: Ja, es war hart so lange Durchzuhalten, so viel zu Lernen und mit dem Druck umzugehen, aber Nein, die Prüfungen an sich sind kein Hexenwerk und waren gar nicht so schlimm wie erwartet.

„Wie kann man mit dem Druck und dem Stress umgehen?“

Das ist etwas mit dem ich selbst große Schwierigkeiten hatte. Vor der schriftlichen Prüfung hatte ich eigentlich überhaupt keine Angst und war auch kaum aufgeregt – bei der Mündlichen sah das allerdings ganz anders aus, unter anderem deswegen weil ich dafür eben nichts planen konnte. Jetzt im Nachhinein kann ich aber doch ein paar Tipps geben, was mir geholfen hat:

Ein (realistischer) Plan. Meinen Lernplan für den schriftlichen Teil habe ich direkt erstellt als die Klausurtermine raus waren und ich wusste, ab wann ich mit den Semesterklausuren fertig sein würde. Das tägliche Abhaken der bereits gelernte Themen und zu Sehen, was ich schon alles geschafft habe hat mir sehr geholfen am Ball zu bleiben und die Motivation nicht zu verlieren. Und als dann die Termine für die mündliche Prüfung da waren habe ich mir auch hier einen Plan geschrieben.

„Es haben schon so viele vor mir geschafft.“ Das war ein sehr hilfreicher Gedanke, denn das ist die Wahrheit! Und man muss kein Überflieger oder Superhirn sein (sonst wären dir Hörsäle in der Klinik leer) um das Physikum zu meistern. Wer gut gelernt hat und vorbereitet ist, der schafft im Medizinstudium auch das Physikum – so wie auch viele viele Studenten vor uns.

– Sich ab und an mit Anderen zum Lernen verabreden. Für mich waren die wöchentlichen Treffen mit meiner Lerngruppe das Highlight der Woche, denn auch wenn wir immer fleissig alles durchgesprochen haben war es einfach mal was anderes und man hat gemerkt, dass es allen so geht und man nicht allein mit seinen Zweifeln und Sorgen ist. Außerdem bleibt finde ich viel mehr hängen, wenn man nicht nur ließt sondern den Stoff gemeinsam durchspricht.

Genug schlafen und seinem Rhythmus folgen. Ich war schon immer eher ein Frühaufsteher und habe das auch während der Lernphase beibehalten, dafür kann ich aber abends nicht lernen und deswegen war für mich dann auch spätestens 20.00 Uhr Schluss (von den sieben Tagen vor der mündlichen Prüfung mal abgesehen).

– Sich immer vor Augen halten, dass man schon vier Semester Medizinstudium geschafft hat. Das schafft nicht jeder und bedeutet, dass man definitiv schon ganz viel weiß auch wenn man noch nicht explizit für das Physikum gelernt hat. Das Gleiche gilt für den mündlichen Teil: Man hat schon gut für die schriftliche Prüfung gelernt  und weiß eine ganze Menge! Die Lieblingsthemen der Prüfer muss man dann noch aufarbeiten, aber man fängt wirklich nicht bei Null an, auch wenn es sich so anfühlt.

Das Physikum im Medizinstudium auf einen Blick:

– Es lohnt sich während der ersten vier Semester (hier ergänzend mit Vorlesung/ Lehrbuch) und für das Physikum mit dem selben Lernmedium zu lernen!

– Einen Lernplan zu erstellen kann ich empfehlen; dieser sollte aber auf EURE Bedürfnisse, Stärken und Schwächen und eventuell zum Lernen nicht geeignete Tage (zum Beispiel irgendeine Familienfeier) zugeschnitten sein, da die Fächer und Themen jedem unterschiedlich leicht fallen.

– Lernt man mit Endspurt-Skripten, smartmedix, medilearn oder Amboss kann man mindestens 60% der Fragen beantworten und so Bestehen, aber mit etwas Glück, häufigem Kreuzen und Wiederholen ist auch eine gute Note drin, ohne mit großen Lehrbüchern gelernt zu haben.

– Beim Lernen sollte man für die großen Fächer (unter anderem auch Psycho) mehr Zeit einplanen, da es hier eben mehr Punkte zu holen gibt als bei den kleinen Fächern.

– Der Schlüssel für die mündliche Prüfung sind Altprotokolle. Gibt es eine repräsentative Anzahl besteht Ihr ziemlich sicher, wenn Ihr die bisher geprüften Themen drauf habt. Versteift euch nicht auf Details und versucht euch gegenseitig die Themen zu erklären um zu zeigen, dass Ihr den Vorgang oder Ähnliches verstanden habt.

– Immer daran denken, dass es schon tausende Studenten vor einem geschafft haben. Einige Fragen beim schriftlichen Teil sind sogar leichter als manche Fragen, die man in den Semesterklausuren beantworten soll. Und die hat man ja auch alle bestanden, sonst stände man jetzt nicht vor dem Physikum.

Das Physikum im Medizinstudium macht keinen Spaß, mit Sicherheit nicht, aber man kann es schaffen und die meisten schaffen es auch! Durchhalten, dran bleiben und nicht nur an die Sachen denken, die man noch nicht gelernt hat sondern sich klar machen, was man schon alles kann. Und das Gefühl danach ist einfach unbeschreiblich – es lohnt sich!

Nach diesem 4,9k Wörter langen Blogpost habe ich hoffentlich den Großteil eurer Fragen beantworten können. Ihr wollt trotzdem noch was wissen? Ab damit in die Kommentare!

Eure Jule Unterschrift

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2 Gedanken zu „Jule und das Physikum – So bestehst Du das 1. Staatsexamen im Medizinstudium!

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