Medizinstudium – Das 3. Semester an der Uni Leipzig

Medizinstudium: Das 3. Semester an der Uni Leipzig! medicine, student, medstudent, study, medical, universityIn ein paar Wochen ist es schon soweit, und für die Meisten von uns startet das neue Semester! Passend dazu ist es für mich wieder Zeit meine Erfahrungen, Tipps und Informationen rund um das 3. Semester Medizinstudium mit euch zu teilen, so wie ich es auch bereits für das 1. Semester (hier klicken) und das 2. Semester (oder hier) getan habe, um dem ein oder anderen den Einstieg in die neuen Fächer zu erleichtern und ein bisschen Licht in den Studiums-Dschungel zu bringen.

Hinsichtlich des Physikum möchte ich noch etwas loswerden: Meiner Erfahrung nach ist es am Besten, sich auch bereits während des Semesters mit den selben Materialien vorzubereiten, die man auch später für das Physikum nutzen möchte. In den Fächern in denen ich das so gemacht habe war der Stoff viel schneller und zuverlässiger wieder da, als bei den anderen.  Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen meiner Erfahrungen im 3. Semester des Medizinstudiums!

[Stand: Wintersemester 2017/18]

Biochemie

Allgemeines: Schon vor Studienbeginn zittern manchen die Knie, wenn sie an die Biochemie denken. Kein anderes Fach wird glaube ich so verteufelt und von vorne rein  negativ bewertet, Schauergeschichten über Stoffwechselwege und nicht enden wollende Details machen die Runde. Ich kann euch so viel sagen: Gebt der Biochemie eine Chance. Ja, viele mögen das Fach nicht, ja, es ist viel zu lernen, ja, es sind viele Details. Und doch habe ich lieber eine Stunde Biochemie gelernt als eine Minute Anatomie, weil es für mich einfach logischer war und viele Zusammenhänge endlich klar wurden. Die Leber hatte plötzlich nicht mehr nur Bänder und die Pfortader, sondern wurde zur Heimat vieler wichtiger Vorgänge, Insulin wurde mehr als nur „das bei Diabetes“ und plötzlich konnte man auch andere Dinge zu Katecholaminen sagen, als dass sie aus dem Nebennierenmark kommen. Mir hat das Fach Spaß gemacht und wer weiß, vielleicht ist das bei Dir ja auch so?

Im 3. Semester im Medizinstudium gehören zur Biochemie eine tägliche Vorlesung von 8.00 – 9.00 Uhr, einmal die Woche ein Seminar und das biochemische Praktikum. Das Schöne ist, dass es zur Vorlesung einen Podcast gibt, sodass man sich diese auch ganz entspannt zum Frühstück anhören, stoppen oder zurückspulen und sich vor der Klausur das ganz besonders verzwickte Thema noch einmal zu Gemüte führen kann. Dieser Podcast ist aber nur uni-intern für Medizinstudenten der Uni Leipzig zugänglich!
Das Biochemie-Praktikum war wie der ein oder andere vielleicht schon auf Instagram lesen konnte mein Highlight der Vorklinik, einfach, weil wir dabei immer so viel Spaß hatten. Klar war es nervig, wenn man eigentlich lernen müsste aber andererseits war das eben unsere erzwungene Auszeit fernab vom Schreibtisch, in der wir pipettieren, zentrifugieren und titrieren durften. Das meist irgendwas daneben ging hat die Sache am Ende noch viel lustiger gemacht.

Materialien: Für die Vorlesung hatte ich mir meist die Folien von Prof. Eschrich ausgedruckt, da ich die tatsächlich sehr gut fand – da Professor Eschrich jetzt aber im Ruhestand ist, kann ich da leider nicht viel mehr dazu sagen. Für das Seminar wurden jede Woche Aufgaben online gestellt, die man entweder machen konnte oder nicht und die dann meistens sporadisch besprochen worden sind, zum Mindest war das bei uns so. Das „große“ Lehrbuch meiner Wahl war die Duale Reihe Biochemie vom Thieme Verlag, notwendig war der Kauf eines großen Lehrbuchs aber in meinen Augen nicht unbedingt.

Für das Praktikum benötigt Ihr das ausgedruckte Praktikumsskript welches zum Download auf der Homepage bereitgestellt wird und das auch die Grundlage für die Antestate darstellt. Zum Thema Antestate: Jeder kommt einmal pro Komplex dran, also im ganzen Jahr fünf mal. Wenn man sich die Altfragen und die theoretische Einführung durchließt, ist man aber eigentlich gut vorbereitet und meistens waren die Testate gar kein Problem. Außerdem wird für das Praktikum ein Kittel benötigt.

Prüfung: Die Prüfungsleistung in Biochemie besteht aus vier Klausuren mit je 20 maximal erreichbaren Punkten, die über das 3. und 4. Semester verteilt geschrieben werden (1. Klausur Anfang November zu Kohlenhydraten, Fetten, Aminosäuren und Proteinen + den Stoffwechselwegen; 2. Klausur Ende Januar über Molekularbiologie). Dabei gibt es zehn multiple-choice für je einen und fünf freie Fragen für je zwei Punkte.  Am Ende müsst Ihr ca. 60% der Gesamtpunkte haben, von welcher Klausur die kommen ist ganz egal!

Gelernt habe ich dabei meistens mit den Lernkarten von smartmedix, die ich mit Hilfe der Vorlesungsfolien und meiner Mitschrift um klausurrelevante Details ergänzt habe, und mit den Endspurtskripten. Dabei habe ich den Text im Endspurt gelesen und mich anschließend mit den Lernkarten abgefragt, was für mich auch sehr gut funktioniert hat.

Physiologie

Allgemeines: Physio war für mich immer das Fach, dass all die Fragen geklärt hat, die die Anatomie, Histo und Biochemie aufgeworfen haben. Dank Physio schloss sich der Kreis und alles ergab irgendwie einen Sinn. Auch hier gibt es täglich eine Stunde Vorlesung aber keinen Podcast, sodass man sich dann um 9.00 Uhr leider doch in die Uni bequemen muss. Dafür waren die meisten Physio-Vorlesungen aber auch wirklich gut! Ansonsten gibt es auch hier ein wöchentliches Seminar, und in zwei von drei Wochen war man mit dem Praktikum dran.

Materialien: Für das Physio-Praktikum benötigt man ebenfalls eine Kittel und das entsprechende Praktikumsskript ausgedruckt, und auch hier werden wöchentlich Seminaraufgaben hochgeladen, bei denen es sich lohnt sie zu bearbeiten, da meist klinische Details besprochen werden, die auch für das Physikum relevant sind. Wer ein großes Lehrbuch braucht, dem kann ich den Silbernagl vom Thieme Verlag empfehlen, mit dem Speckmann konnte ich leider gar nichts anfangen, aber unbedingt brauchen tut man ein großes Lehrbuch eigentlich auch nicht, nur mal zum Nachlesen und da reicht es vielleicht auch aus der Bib. Im Physio-Praktikum gab es keine An- sondern Abtestate, die jeder nach jedem Praktikum schreiben musste. Das waren fünf MC-Fragen zum Thema und auch hier konnte man sich gut mit Altfragen und der Theorie vorbereiten. Ansonsten war auch das Physio-Praktikum ziemlich cool, weil die Versuche sehr nah am Stoff waren und meistens auch Spaß gemacht haben.

Prüfung: Auch in Physio werden vier Klausuren geschrieben zu je 10, 20, 10, 20 Punkten. Die erste Klausur findet Ende November statt, es geht um Neurophysiologie und Herz; die zweite Klausur gabs dann Anfang Februar und beinhaltete die Themen Kreislauf, Atmung und Niere. Vom Lernen lief es hier ähnlich wie in Biochemie, ich habe parallel mit smartmedix und den Endspurtskripten gelernt und das ein oder andere in meinen Seminarmitschriften oder der Vorlesung nachgelesen, was mir auf den Karten zu kurz kam. Bei uns war es so, dass gerade die Klausuren im 3. Semester ziemlich schwer waren, dafür die im 4. Semester dann sehr fair, sodass man gut Punkte reinholen konnte und am Ende zählt nur die Gesamtpunktzahl. Also nicht gleich aufgeben, falls es am Anfang nicht so gut läuft, in Physio hatten nicht so viele Leute am Ende ein Problem.

Neuroanatomie

Allgemeines: Ich hab mich immer gefreut, wenn es im Präpkurs hieß „Das brauchen sie jetzt noch nicht lernen, das kommt dann später in Neuroanatomie.“ Nur blöd, dass später dann plötzlich da war und ich mittendrin, denn im 3. Semester steht im Medizinstudium in Leipzig die Neuroanatomie auf dem Lehrplan. Ich hatte am Anfang wirklich Probleme mit dem Fach, konnte nicht zwischen relevant und unwichtigem Kleinkram unterscheiden und wusste nicht so recht, wo ich anfangen soll. Aber mit jedem Mal lernen wurden die Zusammenhänge klarer und gegen Ende wurde die Neuroanatomie mein liebstes anatomisches Fachgebiet – logisch, zusammenhängend und gerade mit Physio ergab alles ein stimmiges Bild. In Neuroanatomie gibt es zwei Vorlesungen pro Woche, mit denen ich allerdings weniger anfangen konnte und deswegen nur zweimal da war – die Klausur hab ich trotzdem bestanden. Außerdem findet ein wöchentliches Seminar im Präpsaal statt, bei dem man sich Gehirn und Co näher anschaut und am Ende noch zwei Seminare im Mikroskopiersaal zur Neurohistologie.

Materialien: Benötigt wird das Skript zum Seminar Neuroanatomie (kann in meinen Augen ruhig auch gebraucht sein, solange man das nicht direkt zum Dozenten unter die Nase hält), ein Kittel und hier fand ich ein Lehrbuch tatsächlich mal hilfreich. Wie viele andere Studenten auch habe ich den Trepel total geliebt, alles war einfach und verständlich geschrieben und super zum Nachlesen. Ansonsten natürlich das altbewährte Endspurtskript.

Prüfung: Anfang Januar steht dann die Abschlussklausur Neuroanatomie an, in der 30 MC-Fragen gestellt werden, bei uns waren sechs davon mit Bild, auf dem man etwas erkennen musste. In unserem Jahr war die Klausur sehr fair gestellt und die meisten haben sie ohne Probleme bestanden, aber bei den Anatomen weiß man ja nie.

Med. Psychologie & Soziologie

Allgemeines: Die Psycho-Vorlesungen finden ja bereits seit dem zweiten Semester statt und setzen sich im dritten dann jeden Freitag fort. Und auch hier gilt das Motto: Wer nicht in der Vorlesung war, kann trotzdem gut in der Klausur abschneiden, ich spreche aus Erfahrung. Außerdem findet im 3. Semester im Medizinstudium sechs Wochen lang je einen Nachmittag der COMSKIL-Kurs statt, der Gesprächsführungskurs.

Materialien: In meinen Augen reicht hier das Endspurtskript total aus. Ich hatte sonst nichts für Psycho.

Prüfung: Ende Januar findet die Abschluss-Klausur in Psych-Soz statt, dabei werden 30 MC-Fragen gestellt. Bei uns waren 28 davon original Physikum-Altfragen (examen online lässt grüßen), zwei waren aus der Vorlesung. Ich habe am Freitag vor der Klausur das Skript gelesen, das ganze Wochenende die 2000 Fragen durchgekreuzt bis ich sie alle konnte und am Montag dann die Klausur geschrieben. Es war bisher im Studium meine beste Klausur und falls Ihr denkt der Sigmund-Freud-Preis wäre ein Witz des Prüfungsvorsitzenden.. Ich dachte das auch, und zwar so lange bis eben erwähnter Prüfungsvorsitzender zwei Monate später im COMSKIL-Kurs reinkam. „Sie wissen ja, die Vergabe die Sigmund-Freud-Preises steht noch aus…“ Einen leicht peinlichen Moment später war ich dann Besitzerin eines nagelneuen USB-Sticks, den gibt es nämlich für den zweiten Platz.

Zum COMSKIL-Kurs noch ein Wort: Hier besteht die Prüfungsleistung zum einen aus einem Vortrag, in dem man die Theorie des vergangenen Seminars zusammenfassen und mit einer praktischen Übung untermalen sollte und zum anderen aus dem Gespräch mit einem Schauspielpatienten. Dabei wird keine Note oder so vergeben, man muss aber beides gemacht haben, damit man den Schein bekommt. Ich hatte super viel Angst vor dem Schauspiel-Gespräch, es war aber am Ende gar nicht so schlimm sondern eher eine positive Erfahrung – nochmal machen möchte ich es aber trotzdem nicht.

Das war es, mein 3. Semester im Medizinstudium. Ganz schön viel Stoff was wahrscheinlich auch der Grund ist, dass viele sagen kein Semester wäre so schlimm wie das Dritte. Für mich war es das Beste und auch das in dem ich die meisten Erfolge feiern konnte, weil es mehr Dinge gab die man verstehen konnte und nicht nur wie in Anatomie auswendig lernt und weil ich endlich eine Lerntechnik gefunden habe, die für mich funktioniert und mich besser organisieren konnte. Den Beitrag dazu findest Du hier! Sollte irgendetwas nicht mehr aktuell sein, meldet euch gerne bei mir, ich versuche die Beiträge möglichst aktuell zu halten, dazu könnt Ihr mir gern auch auf Instagram schreiben! Und auch wenn sonst noch Fragen sind freue ich mich über Kommentare und E-Mails. Hier geht es weiter mit meinem Beitrag zum 4. Semester! Auf ein erfolgreiches Semester!
Eure Jule Unterschrift

 

 

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5 Gedanken zu „Medizinstudium – Das 3. Semester an der Uni Leipzig

  1. Hey Jule!
    Schön von deinen Erfahrungen an deiner Universität zu hören!
    Ich studiere Medizin in Köln und habe nun das vierte Semester mit Biochemie und Physiologie vor Augen. Mich würde interessieren, ob der Biochemie-Podcast frei verfügbar ist. Könnte ja, was grundsätzliches angeht ja auch bei einer anderen Uni nicht schaden 🙂
    Hat man die Möglichkeit, den (notfalls von dir direkt?) zu bekommen? 🙂
    Liebe Grüße und noch schöne Semesterferien, Swantje

    1. Hey Swantje! Der Podcast wird Uni intern hochgeladen, das kann man nicht downloaden und kann aus Datenschutz Gründen auch nicht weitergegeben werden. Wäre aber eigentlich eine coole Sache!
      Liebe Grüße und viel Erfolg im 4. Semester! Jule 🙂

    1. Hallöchen! Ich mache das mit der Anwendungg Canva, gibt es als App aber auch im Browser – für den Anfang ist im Browser leichter, aber generell eigentlich selbsterklärend. Liebe Grüße und viel Spaß beim Experimentieren:)

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