Wahlfach – Einführung in die kardiovaskuläre Bildgebung

Medizinstudium, kardiovaskuläre Bildgebung, Wahlfach, Kardiologie, Uni LeipzigHallo Ihr Lieben, da ein ausführlicherer Bericht den Rahmen von Instagram sprengen würde, habe ich mich dazu entschieden, die Informationen und Erfahrungen die ich im Medizinstudium bei meinem Wahlfach der Vorklinik sammeln durftehier mit euch zu teilen. Entschieden habe ich mich für die „Einführung in die kardiovaskuläre Bildgebung“.

Besonders interessant ist das wahrscheinlich für all diejenigen, die selbst noch ein vorklinisches Wahlfach an der Uni Leipzig absolvieren möchten oder müssen, aber vielleicht interessiert es ja auch so den ein oder anderen, was wir alles  gemacht haben!

Viel Spaß beim Lesen!

Rahmenbedingungen Wahlfach Vorklinik im Medizinstudium

Die Regeln schreiben vor, dass jeder im Medizinstudium währen der Vorklinik ein Wahlfach absolvieren muss, das mindestens einen Zeitrahmen von 30 Stunden umfassen muss, der jedoch mit Pausen und Wegzeiten etwas großzügiger durchgezogen wird. Es gibt Modelle, bei denen man jede Woche zwei Stunden zu seinem Wahlfach geht oder die 30 Stunden als Block, verteilt auf in diesem Fall drei Tage absolviert. Dabei ging es früh immer mit einer Gruppe von insgesamt zehn Studenten gegen 9.00 Uhr los, und zwischen 17.00 und 18.00 Uhr war der Tag dann meist zu Ende.

Statt findet die ganze Veranstaltung ein wenig außerhalb, im Herzzentrum Leipzig in Probstheida. Mit der Buslinie 76 gelangt man direkt dorthin, aus Reudnitz oder Stötteritz schafft man es auch mit dem Fahrrad in 10-20 Minuten. Es war wirklich schön, auch mal einen Einblick außerhalb des Uniklinikums zu bekommen, da sich das Herzzentrum auch sehr gut für eine spätere Famulatur anbietet und ich das sonst nicht wirklich auf dem Schirm gehabt hätte!

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Vorwissen

Ausgeschrieben ist das Wahlfach für Studenten ab dem 3. Semester, was ich persönlich so auch unterstütze. Nach dem ersten Semester hat man zwar schon die anatomischen Grundlagen des Herzens gelernt, aber gerade die Physiologie dazu schafft einiges an Klarheit, die man braucht um einige Prozesse und Pathologien zu erkennen und zu verstehen.

Natürlich waren auch sehr viele neue, klinische Informationen dabei, aber zum Beispiel Klappenfehler und deren Ursachen und Folgen, EKG-Grundlagen und einige Pathologien waren bereits Thema in Physiologie und auch den Klausuren, sodass man eine tolle Wiederholung hatte, in der man bereits gelerntes Wissen anwenden konnte.

Es war so schon sehr schwer, sich in die bildgebenden Verfahren hinein zu denken und ohne das physiologische Vorwissen und das, was man im Präparierkurs lernt, wäre ich vermutlich total untergegangen. Hat man das 3. Semester hinter sich ist es aber überhaupt nicht notwendig, sich nochmal in irgendetwas hinein zu lesen oder sich großartig vorzubereiten, da wir im Wahlfach nochmal alle anatomischen und physiologischen Grundlagen kurz durchgesprochen haben.

Ablauf und Inhalt

Was haben wir denn nun alles gemacht und gelernt? Insgesamt würde ich sagen, bestand die Hälfte des Tages immer aus interaktiven Theorieblöcken „zum Mitraten“, und einem Praxisteil, bei dem wir entweder selbst etwas üben oder bei einer Untersuchung zuschauen durften.

Der Montag stand vor allem unter dem Thema Anatomie. Wir haben uns nochmal genau die Anatomie des Herzens mit besonderem Fokus auf die Herzklappen zu Gemüte geführt und uns angesehen, wie das Herz im kardialen MRT aussieht, welche Standardschnitte man machen kann, wie man sich am Besten orientiert und Dinge benennt und schlussendlich wie man Messen kann, ob eine Herzklappe noch das tut, was sie tun soll.

Nach der Mittagspause ging es dann weiter mit einer Einführung in die Echokardiographie, ein Thema, mit dem ich bisher im Studium und auch so nur sehr wenige Berührungspunkte hatte. Nach kurzer technischer Erklärung durften wir dann bei der Untersuchung von zwei Patienten dabei sein und am Ende selbst mal den Assistenzarzt schallen. Ich habe wirklich großen Respekt vor Ärzten, die kurz irgendwo den Schallkopf hinhalten und schon eine Diagnose stellen oder ausschließen können, während ich nur grau sehe; ob das mit der Übung auch bei mir noch kommt?

Der Dienstagmorgen begann mit einem Thema, das wir bereits sehr ausführlich in Physiologie behandelt haben und welches mir persönlich immer Spaß gemacht hat: Das Elektrokardiogramm, EKG. Das war zum einen eine sehr gute Wiederholung der Grundlagen (kann man ja vor dem Physikum und auch sonst nicht oft genug gehört haben), zum Anderen durften wir aber auch mal selbst an die Auswertung und haben ein Schema an die Hand bekommen, das ich wirklich gut finde und mir für später behalten werde.

Anschließend beschäftigten wir uns noch mit den klinischen Krankheitsbildern der koronaren Herzkrankenheiten (kurz: KHK) und den Kardiomyopathien, also allem, was den Herzmuskel und nicht die Koronarien betrifft und der zugehörigen Diagnostik.

Am Nachmittag durften wir uns dann nochmal gegenseitig schallen, und auch, wenn ich es selbst noch nicht schaffe ein gutes Bild zu bekommen, so kann ich mich doch zum Mindest in den Standardschnitten 2-Kammer-, 3-Kammer-, 4-Kammerblick und kurze Achse einigermaßen orientieren.

Der letzten Tag startete mit diversen Patientenbeispielen zu den Klappenerkrankungen. Diese hatten wir größtenteils auch schon mal in Physiologie behandelt, aber natürlich nur mit den physikalischen und anatomischen Auswirkungen, nicht in der Bildgebung. Also durften wir dann ein bisschen MRT-Detektiv spielen und es war wirklich erstaunlich, dass wir nach den drei Tagen schon sehr viele Pathologien finden konnten, oder zum Mindest sicher waren, dass an der und der Stelle irgendwas nicht stimmte.

Das große Highlight stand direkt danach an und zwar durften wir bei einer Kardioversion dabei sein. Kurz erklärt ist eine Kardioversion ein „geplanter“, einmaliger Stromstoß unter Narkose, ähnlich wie bei einer Reanimation, der dazu dient, das Herz von Patienten mit Vorhofflimmern wieder zu „resetten“ und in den normalen Sinusrhythmus zu bringen. Letztendlich durften dann sogar zwei meiner Kommilitonen selbst je eine Kardioversion durchführen. Der ganze Vorgang war für mich sehr beeindruckend, da ich noch nie bei einer Reanimation dabei war und es doch sehr eindrücklich ist, direkt daneben zu stehen.

Am Nachmittag stand noch eine kurze Wiederholung an, und anschließend die Klausur – mehr dazu unten.

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Prüfungsleistung

Zu jedem Wahlfach gehört auch das Erbringen einer Klausurleistung. In jedem Wahlfach wird das anders gehandhabt, eine schriftliche Klausur, eine mündliche Prüfung oder vielleicht ein Vortrag. In diesem Fall mussten wir eine MC-Klausur schreiben die zehn Fragen umfasste. Dazu muss man sagen, dass wir teilweise bereits vorher wussten, was so gefragt wurde a la: „Also 1,5 Tesla entspricht 30.000fach dem Magnetfeld unserer Erde, achja, das ist auch eine Frage in der Klausur!“ Letztendlich sind wir alle mit einer 1 aus dem Kurs rausgegangen was natürlich sehr schön ist, da die Wahlfachnote auch auf dem Physikumszeugnis drauf steht. In dieser Hinsicht muss man sich hier also gar keine Sorgen machen!

Atmosphäre

Da besonders die Stimmung einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen hat, möchte ich darauf auch nochmal kurz eingehen. Zum einen war es so, dass sämtliche Mitarbeiter, die wir kennengelernt haben, seien es Oberarzt, Krankenschwester oder die Assistenzärztin nicht nur zu uns unglaublich nett waren, sondern sich auch (so wie es für mich aussah) untereinander sehr gut verstanden haben. Niemand musste rennen, alle hatten gute Laune und waren freundlich, was das Herzzentrum für mich noch attraktiver für eine Famulatur macht da es eben so ganz anders war, als man es von der Uniklinik kennt.

BurgerEbenfalls beeindruckt war ich davon, wie sehr sich um uns bemüht wurde. Normalerweise habe ich immer den Eindruck gewonnen, dass wir (zum Beispiel bei der Einführung in die klinische Medizin) auf Station meist die „lästigen Studenten“ waren. Im Herzzentrum hatte man aber das Gefühl man sei, überspitzt dargestellt, „Die Zukunft der Medizin“! Jeder war nett und wollte uns wirklich etwas beibringen, es gab Kekse, Obst und Kaffee im Überfluss, und selbst ein warmes Mittagessen durften wir genießen; am letzten Tag gab es sogar Burger! Das war nichts, was ich erwartet hätte aber dennoch eine sehr positive Überraschung, die einem eben das Gefühl gab, dass man wertgeschätzt wird und wichtig ist.

Natürlich wurde auch das ein oder andere Mal erwähnt, wie schön eine Famulatur hier sei, oder dass sich das Herzzentrum auch super für ein PJ-Tertial anbietet – aber hey, stimmt ja auch! Wer weiß, vielleicht werde ich mich ja wirklich nach dem Physikum dort als Famulantin wieder finden?

Ich hoffe, Ihr konntet einen kleinen Einblick in das Wahlfach gewinnen, dass sich ja am Anfang doch ziemlich trocken anhört, es aber am Ende gar nicht ist. Ich kann es wirklich jedem nur ans Herz legen, der im Medizinstudium in der Vorklinik noch ein Wahlfach machen muss und sich für die Kardiologie begeistert, aber auch all denen, die sich wie ich etwas schwerer mit Bildgebung und dreidimensionalem Vorstellungsvermögen tun, denn hier hat man die Chance und die Zeit, sich anhand vieler Beispiele in all die Winkel und Schnitte hineinzudenken, Fehler zu machen, sich auszuprobieren – etwas, das später im Unialltag bestimmt nicht mehr so vorkommen wird.

Die drei Tage in der Klinik haben mich aber mehr gelehrt als klinisches Wissen und Informationen. Mir ist dies bereits auch im Pflegepraktikum aufgefallen, aber da musste ich Patienten auch selbst nie mit unangenehmen Untersuchungen etc. „ärgern“, sondern eben eher Waschen, mit Ihnen reden oder eben andere pflegerische Aufgaben übernehmen. Und zwar muss ich immer wieder feststellen, dass mir Patienten sehr schnell Leid tun, natürlich im Sinne Ihrer Erkrankung, aber auch, wenn Ihnen in der Klinik etwas Unangenehmes widerfährt, was Ihnen am Ende hilft – sei es das Legen einer Braunüle (Flexüle), das lange Luft anhalten bei einem kardialen MRT, oder eben eine Kardioversion, von der die Patienten ja gar nichts mitbekommen; ich habe immer ein sehr ungutes Gefühl dabei. Daran muss ich definitiv arbeiten, denn ich kann mich ja nicht jedes mal schlecht fühlen, wenn ich einem Patienten einen Zugang legen muss – aber das kommt sicher irgendwann mit der Erfahrung und Routine.
Eure Jule Unterschrift

 

 

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