Mein Herz schlägt schneller als Deins – Wie Andreas Bourani mich zur Medizin brachte

Mein erster Patient, medizinstudium, medical, medstudent, medicine, study, student, studygramIch habe mein Pflegepraktikum bewusst bereits vor dem Studium gemacht, um zu sehen, ob die Entscheidung Medizin zu studieren und später einmal in der Klinik zu arbeiten denn auch wirklich das richtige für mich sei. Jetzt bin ich Medizinstudentin im (bald) 7. Semester – offensichtlich habe ich mich auch nach 13 Wochen in der Pflege nicht von meinem Wunsch abbringen lassen, im Gegenteil, das Praktikum hat mich umso mehr darin bestärkt, meinem Weg weiter zu folgen.

Zwischen all den Stunden am Schreibtisch und den Zweifeln die aufkommen, wenn man vom Chefarzt gedemütigt wird ist es für mich sehr wichtig geworden, mir regelmäßig ins Gedächtnis zu rufen, warum ich eigentlich studiere. So denke ich häufig an Patienten zurück, die ich bei Praktika oder Famulaturen kennengelernt habe und daran, wie viel mehr ich nach dem Studium für sie tun können werde. Und heute teile ich die Geschichte mit euch, die mir immer wieder Kraft und Sicherheit gibt, wenn ich an meinem Weg zweifle. Es gab damals viele Patienten, mit denen ich mehr zu tun hatte, mit denen ich oft gesprochen habe und an die ich hin und wieder zurückdenke, doch ein Mensch ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Er war einer der ersten Patienten, die ich in meinem Pflegepraktikum kennengelernt habe, und mit Sicherheit derjenige, der mich am meisten geprägt hat; „mein“ erster Patient, irgendwie.

Mein erster Patient

2016. Ich bin Pflegepraktikantin auf der Hämatoonkologie in dem Jahr, in dem ich im Herbst mein Medizinstudium beginnen würde. Zu Beginn meines Praktikums wird Herr F.* Patient auf Station. Erstdiagnose: Hirntumor mit Metastasen, der Krebs ist bereits weit fortgeschritten. Ich darf Herrn F. mit betreuen, verbringe viel Zeit mit ihm. Jeden Morgen wenn ich das Zimmer betrete singt er ein Lied, es ist immer wieder das Gleiche. „Mein Herz schlägt schneller als Deins“ aus einem Song von Andreas Bourani. Ich lächle und frage ihn, wie es ihm heute geht. Gut, sagt er, und wirkt auf den ersten Blick gar nicht so krank als er sich auf den Weg ins Bad macht. Jeden Tag begrüßt er mich mit diesem Lied – unser kleines Ritual.

Mittlerweile klappt der Gang ins Bad nicht mehr so gut. Ich unterstütze Herrn F. bei der Körperpflege, während er mir von seinem Falken erzählt. Herr F. ist Jäger. Ich verstehe ihn nur noch schwer, seine Aussprache hat sich verschlechtert. „Mein Herz schlägt schneller als Deins.“ Herr F. kann sich kaum noch an Namen oder Gesichter erinnern. Er verbringt viel Zeit im Bett. Ich wechsle zum dritten Mal die Bettwäsche, weil er sich wieder mal seinen Zugang gezogen hat und lächle, während Herr F. sein Lied summt und aus dem Fenster sieht.

Ich komme ins Zimmer. Heute bleibt es still. Drei Monate war ich Praktikantin auf der Station – Herr F. hat es nicht so lange geschafft.

2019. Ich sitze im Auto, als im Radio das Lied gespielt wird, sein Lied. „Mein Herz schlägt schneller als Deins.“ Ich denke an Herrn F., erlaube mir einen kurzen Moment der Trauer. Die Zeit mit ihm hat mich geprägt – er begleitete meine ersten Schritte in der Klinik, ich seine Letzten, und wann immer mir Zweifel kommen an meiner Studienwahl denke ich zurück an diese Zeit und weiß, dass ich da wo ich bin genau richtig bin.

 

mein Herz schlägt schneller als Deins

sie schlagen nicht mehr wie eins

 

*Den Namen habe ich natürlich geändert, auch, wenn ich den richtigen wohl nie vergessen werde.

Vielleicht interessiert Dich auch einer dieser Beiträge?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben