Es hat nicht sein sollen. Nachdem ich sechs Wochen lang die gesamte menschliche Anatomie gelernt habe bin ich – zum ersten Mal seit ich Studiere – mit einem guten Gefühl in eine Klausur gegangen. Nachdem ich ja wirklich viel gelernt hatte, war ich mir sicher, dass es schon irgendwie klappen würde. Erste Frage gelesen – gute Frage, nächste Frage. Und so ging es weiter. Nachdem ich die Klausur einmal durchgegangen war und ich nur vier Fragen mit Sicherheit beantworten konnte, wurde mir tränenreich klar, dass ich gar keinen Plan hatte. Rückblickend betrachtet hätte ich nicht so früh aufgeben sollen, denn eigentlich hätte ich es schaffen können, aber gut. Ich habe diese Prüfung nicht bestanden.
Mein ganzes Leben lang ist immer alles glatt gelaufen. In der 7. Klasse hatte ich mal eine Sechs in Latein, aber sonst waren meine Noten mehr als gut, sogar den Vorlesewettbewerb meiner Heimatstadt konnte ich damals für mich entscheiden und auch das Abi lief besser als erwartet. Ich habe direkt meinen Traumstudienplatz für Humanmedizin erhalten, bin mit meinem Freund, den ich sehr liebe und der mich mehr als glücklich macht zusammen in eine wunderschöne Stadt gezogen und habe bisher alle Prüfungen mit mal mehr, mal weniger Aufwand, aber ohne Probleme hinter mich bringen können. Ich wusste schlichtweg nicht, wie es sich anfühlt in dieser Hinsicht zu scheitern.
Noch am Abend der Prüfung habe ich alle Fragen aufgeschrieben und nachgezählt, mit dem Ergebnis deutlich unter der Bestehensgrenze zu liegen und die Hoffnung auf ein Wunder zu begraben. Prüfung nicht bestanden – ich muss in die Nachholklausur. Wann die ist? Keine Ahnung. Was ich anders machen soll? Ich weiß es nicht.
Wie soll ich mit dem Druck umgehen? Kann ich das überhaupt schaffen, neben den regulären anderen Klausuren? War die Klausur überhaupt fair? Oder machbar? Das Gedankenkarusell dreht und dreht sich immer weiter, die Gefühle wechseln von Ungläubigkeit über Wut, Angst und Niedergeschlagenheit hin und her, bis am Ende nur noch eins übrig war: Verzweiflung. Ich fühlte mich so alleine und unverstanden und wusste nicht, wie es weitergehen soll.
Das einzige das mir an diesem Abend überhaupt irgendwie half waren eine Umarmung von meinem Freund und die Worte einer sehr guten Freundin, die in diesem Moment einfach genau wusste was sie sagen sollte: „Jule, ich weiß, eigentlich hast Du mehr Erfahrung mit dem Studium, und ich kann Dir wahrscheinlich keine Tipps geben, aber mit Durchfallen, da hab ich mehr Erfahrung. Ja, es ist scheiße und darf einen auch runterziehen, aber vielleicht war es ja Schicksal? Vielleicht hat das Leben Dir genau das gegeben, was Du brauchst, eine weitere Wiederholung in Anatomie um im Physikum abliefern zu können! Alles im Leben hat irgendeinen Sinn, auch wenn wir ihn vielleicht jetzt noch nicht erkennen können. Du hast damals zu mir gesagt, dass diejenigen die im Studium lernen auch mal für etwas kämpfen zu müssen, die Ärzte sind, die am Ende auch wissen, wie man für seine Patienten kämpft.“
Das ist es, was ich mir seitdem im Kopf bewahre: Ich muss es positiv sehen, das Beste draus machen, wieder aufstehen und alles geben um mein Ziel zu erreichen.
Was uns nicht umbringt, macht uns stärker.
It never gets easier, you just get stronger.
Lass mal an uns selber glauben!
At the end of the day, you just have to go for it. It´s either that or spend the rest of your life regretting not putting your heart on the line when you knew you should have.
Und ich bin ganz ehrlich: Es fällt mir verdammt schwer, nach vorne zu schauen. Positiv denken ist nicht mein Ding, und doch ist es grade meine einzige Chance. Vorgestern kamen die Ergebnisse und die Tatsache, dass die Punktegrenze runtergesetzt wurde, beinahe alle die ich kenne dank der Gleitklausel bestanden haben und mir mickrige zwei Punkte fehlen ist einfach beschissen. Ich freue mich unglaublich, dass nicht noch mehr Leute jetzt in der Situation sind zwischen den anderen Klausuren nochmal die ganze Anatomie lernen zu müssen, aber es macht die Sache nicht einfacher beinahe alleine mit dem Problem zu sein.
Ich bin mir sicher, dass einige jetzt denken: „Was macht die denn für ein Drama weil sie eine Prüfung nicht bestanden hat?“ Und wahrscheinlich frage ich mich dass in zwei Monaten auch. Aber gerade ist es halt einfach eine Situation, in der ich noch nie war und mit der ich noch nicht wirklich gelernt habe umzugehen.
[Edit 25.4.18: Nachdem mich jetzt doch einige Nachrichten erreicht haben, die finden ich würde zu sehr dramatisieren und soll mich nicht so anstellen ein kleiner Kommentar am Rande: Ich habe diesen Artikel vor allem deswegen geschrieben und veröffentlicht, weil es mir sehr hilft und wirklich geholfen hat, meine Gedanken zu ordnen und niederzuschreiben. So verarbeite ich Dinge, und auch das ist einer der Gründe, warum es diesen Blog gibt. Also ja, es war schlimm für mich und fühlt sich immer noch schlimm an, die Prüfung nicht bestanden zu haben, aber ich finde trotzdem, dass es schlimmere Dinge gibt und dass das alles – und im Nachhinein sowieso – nicht so dramatisch ist, wie es hier klingt. Trotzdem bin ich froh, den Artikel genau so geschrieben zu haben, für mich, aber auch für Andere. Denn ebenso viele haben mir geschrieben, wie sehr sie sich damit identifizieren, auch nicht sehr positiv denken können und dass es hilft zu sehen, dass man damit nicht alleine ist und auch wieder aus dem emotionalen Tiefpunkt rauskommen kann.]
Und auch wenn ich noch nicht an dem Punkt angekommen bin, an dem ich meinen eigenen Worten glauben kann versuche ich immer wieder dran zu denken und mich vielleicht irgendwann selbst davon zu überzeugen: Misserfolg ist kein Grund Aufzugeben, sondern macht mich und jeden von euch nur stärker! Wir alle scheitern mal, egal in welchem Bereich. Es tut weh, es zieht runter und macht einem Angst, aber jeder von uns kann wieder aufstehen, egal ob alleine oder mit Hilfe, egal ob nach einer Stunde oder einer Woche. Und wenn man wieder den Boden unter den Füßen spürt, wieder Gründe findet zu Lächeln, dann ist die Zeit gekommen seine Kräfte und Motivation zu mobilisieren und sich selbst zu zeigen: Ich bin stärker als gedacht. Ich trete der Nachholklausur in den Hintern! Gebt nicht auf! Dafür ist das Leben viel zu kurz und zu schön.
[Edit 03.06.18: Mittlerweile habe ich die Nachholklausur geschrieben und beim Zweitversuch auch bestanden. Die Woche davor war auf Grund der Stoffmenge mega anstrengend, aber letztendlich habe ich mir alles nochmal angeschaut und konnte in der Klausur die meisten Fragen gut beantworten. Und fürs Physikum in Anatomie bin ich jetzt sicher bestens vorbereitet.]
Wenn Ihr mögt, teilt gerne eure Geschichten zu dem Thema in den Kommentaren! Vielleicht können wir uns ja ein bisschen auszutauschen zum Thema „Prüfung nicht bestanden“, oder jemand hat einen Tipp der hilft, etwas besser damit abschließen zu können? Ich freu mich!

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Eieiei, als quasi Kommilitone von dir kann ich sagen: Einmal ist keinmal und ich bin wegen zwei mickrigen Punkten in zwei Drittversuchen gelandet. Ich hab gekämpft und gewonnen. Hätte nicht sein müssen und ich würde auch gern mal durch eine Prüfung so locker durchkommen, keine Ahnung wie das andere machen.
Dein Text liest sich, als wäre es der Weltuntergang, aber wie du schon sagtest, liegt es bestimmt daran, dass du noch nie irgendwo durchgefallen bist. Mach dir kein Stress, du weißt jetzt wie die Fragen formuliert sind und kannst präziser lernen. Viel Erfolg 🙂
Hey, danke für Deinen Kommentar! Ich habe großen Respekt davor, dass Du die Drittversuche gemeistert hast und gekämpft hast. Ich weiß, dass der Text zum Teil sehr dramatisch klingt, aber ich habe ihn in Momenten verfasst, in denen es mir einfach nicht so gut ging, und wer mich kennt weiß, dass ich bei sowas schnell Panik bekomme. Aber um ehrlich zu sein hat es einfach schon total gut getan, sich die Sorgen, Gedanken und Gefühle einfach mal von der Seele zu schreiben und zu teilen – dafür ist dieser Blog ja auch ein bisschen da. Ich sehe die Sache auch mit jedem Tag positiver, und bin mir sicher, es im Zweitversuch zu packen. Vielen Dank für Deine aufmunternden Worte, und liebe Grüße! Jule 🙂
Hallo Jule,
ich studiere wie du auch aktuell im 4. Semester Medizin und möchte dir einfach mal meinen großen Respekt aussprechen, für deine Ehrlichkeit und für deine Worte.
Ich habe den Eindruck, dass in unserem Studiengang (zumindest an meiner Uni ist das so) keiner zugeben kann und möchte, mal mit etwas Schwierigkeiten gehabt zu haben, mal nicht bestanden zu haben, mal einen Durchhänger zu haben und einfach unmotiviert zu sein.
Für mich macht diese Tatsache das Studium so viel schwerer als es sein müsste, weil es sich für mich bei jeder Schwierigkeit so anfühlt, als ginge es nur mir in der Situation so und als hätten alle anderen viel weniger zu kämpfen als ich.
Gerade deshalb bin ich dir so dankbar für deinen Text, auch deswegen weil ich mich so gut mit dir identifizieren kann.
Auch ich bin noch ziemlich jung für einen Medizinstudenten im 4. Semester, habe direkt nach dem Abitur angefangen zu studieren und eigentlich nie erlebt, was es heißt, mal etwas nicht auf Anhieb mit Bravour zu meistern.
Letztes Semester habe ich diese Erfahrung zum ersten mal (mehr oder weniger) gemacht und ich habe mich genau so gefühlt, wie du es hier schilderst.
Ich hatte nach einer Anatomieprüfung ein sehr sehr ungutes Gefühl, obwohl ich so viel gelernt hatte und meiner Meinung nach absolut super vorbereitet war.
Dann die Ernüchterung – es lief mehr oder weniger besch…, während viele meiner Kommilitonen sich sehr sicher waren, bestanden zu haben. (Ich habe am Ende gaaanz knapp bestanden, war mir aber absolut sicher durchgefallen zu sein).
Im ersten Moment habe ich mich gefühlt, als hätte ich es nicht verdient, länger Medizin zu studieren.
Ich saß in der Vorlesung und dachte „ich habe hier garnichts verloren, wenn ich schlechter bin als alle anderen.“
Dass das absoluter Mist ist und ein Gedanke den man sofort aus seinem Kopf streichen sollte, wurde mir im Nachhinein natürlich schnell klar. Dennoch habe ich mich in diesem Moment genau so gefühlt. Ich kann dich deshalb sehr sehr gut verstehen und möchte dir sagen, dass jeder früher oder später diese Erfahrung machen muss und dass es nicht „Scheitern“ bedeutet, in so einem anspruchsvollen Studiengang eine einzige Prüfung nicht auf Anhieb gemeistert zu haben.
Wir sind alle nur Menschen und kochen alle nur mit Wasser. Und auch wenn es nach außen fast niemand zugeben möchte, im Endeffekt hat jeder sein Päckchen zu tragen und steht irgendwann an diesem Punkt.
Zu deiner Zweitprüfung möchte ich dir sagen: du packst das!
Und ich bin mir ebenso sicher, dass du im Nachhinein einen Vorteil aus dieser „Ehrenrunde“ ziehen wirst.
Ich habe im zweiten Semester eine Klausur verpasst, weil ich am Prüfungstag krank war und absolut nicht aufstehen konnte.
Hinterher habe ich mich so geärgert, weil ich für den Nachtermin 6 Monate später alles quasi neu lernen musste.
Schlussendlich habe ich aber sehr davon profitiert, weil ich bis heute den Eindruck habe, diesen Stoff deutlich besser zu beherrschen als nach einmaligem Lernen.
Es wird alles gut. Und (das sage ich mir immer) KEIN Patient wird dich JEMALS danach fragen, wie die Anatomieklausur im 4. Semester gelaufen ist und darauf kommt es letztendlich doch an.
Ein guter Arzt oder eine gute Ärztin zu werden. Nicht darauf, besser als andere zu sein oder alle Klausuren mit 100% bestanden zu haben.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei Anatomie und im Physikum,
Anna
Liebe Anna, es tut mir so Leid, dass ich mich erst jetzt melde – irgendwie ist der Kommentar im Spamordner gelandet und ich hab Ihn gerade erst wiedergefunden, worüber ich sehr froh bin!
Mir geht es genau so wie Dir. So wie sich alle verhalten, habe ich immer das Gefühl, dass das Studium anderen irgendwie leichter fällt als mir, dass alle immer super zufrieden damit sind und nie in Frage stellen, ob es das alles überhaupt wert ist. Dabei bin ich mir sicher, dass es den meisten so geht und genau deswegen versuche ich auch, auf meinem Blog immer sehr ehrlich zu sein. Um anderen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind sondern wir alle mal zweifeln und scheitern, was auch in Ordnung ist. 🙂
Bei mir war es nach der Klausur auch so, dass alle sich „ganz sicher waren die Klausur nicht bestanden“ zu haben – letztendlich sind die meisten dann doch knapp durchgekommen und ich eben nicht. Klar, das tut weh aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es mich nur stärker gemacht hat auch mal mit so einer Erfahrung klarzukommen und zu lernen, wie man damit umgeht. Außerdem habe ich auch den Stoff zweimal gelernt, und wie sagt man so schön – doppelt hält besser. Mittlerweile habe ich die Anatomie-Klausur auch bestanden und muss sagen, dass ich gerade beim zweiten Lernen, wo man sich mehr auf die Kleinigkeiten konzentriert so viele „Geistesblitze“ und erleuchtende Momente hatte, als es endlich Klick gemacht hat, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat. Und ich denke, ich bin etwas entspannter geworden, weil ich jetzt weiß, dass durchzufallen einen nicht umbringt.
Und Du hast so Recht! Klausuren prüfen im Grunde genommen auch nur ab, wie gut man Details lernen kann gerade in der Vorklinik und nicht, wie empathisch man ist oder wie gut man später mal im Arztberuf sein wird.
Ich danke Dir von Herzen für Deinen Kommentar, der mich so unglaublich aufgebaut und motiviert hat und mir auch mal wieder gezeigt hat, dass es sich lohnt hier und auf Instagram ehrlich zu sein und Niederlagen zuzugeben. Ich wünsche Dir ebenfalls ganz viel Erfolg beim Physikum – wir schaffen das!
Liebe Grüße, Deine Jule ♥️
Ich verstehe Dich ganz gut. Ich war immer auch einer der besten Schülerinnen. Erst während meines Studums habe ich zum ersten Mal eine Prüfung nicht bestanden, obwohl ich mein Bestes gegeben habe. Es war für mich eine Drama. Ich konnte mich eine Woche lang nicht zusammenraffen. Meine Freunde konnten nicht nachvollziehen, warum mich es so betroffen hat. Für sie war es normal, ab und zu zu scheitern. Für mich aber nicht. Ich dachte, mit dieser Prüfung habe ich alles durchgekreutzt. Erst nach der Nachholklausuer, hat ich mein Selbstwertgefühl wieder verbessert. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, besser mit Misserfolgen umzugehen. Es ist immer noch nicht perefekt, aber ist versuche es.
Liebe Eva! Du bist nicht allein, mir ging es wirklich ganz genau so und viele konnten das damals nicht nachvollziehen. Jetzt im Nachhinein finde ich es auch nicht mehr ganz so schlimm – natürlich möchte ich nicht unbedingt nochmal durchfallen, aber letztendlich hat es mir nur genutzt und mich stärker gemacht. Aus jeder Erfahrung – positiv wie negativ – lernt man und kann sich weiterentwickeln. Ich kann Dich auf jeden Fall gut verstehen! Danke für Dein Kommentar, es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist. Liebe Grüße, Jule 🙂
Hallo Jule,
erst einmal ganz ganz großen Respekt, dass du mit der Situation so offen umgehst!
Entgegen vieler Meinungen kann ich absolut verstehen, weshalb es sich für dich wie ein Weltuntergang angefühlt hat. Ich habe 1 zu 1 das Gleiche durchlebt und musste auch vorher nie mit persönlichem Scheitern klarkommen. Zu lesen, dass es auch anderen so ging/geht, hilft so sehr! Davon wird die Situation an sich zwar nicht besser aber es hilft, den Mut wiederzufinden.
Ganz liebe Grüße
Megan
Liebe Megan,
danke für Deinen lieben Kommentar! Habe mich sehr darüber gefreut, und genau aus diesem Grund wollte ich auch gern darüber schreiben, denn in solchen Momenten des Scheiterns fühlt man sich doch oft wirklich gleich besser wenn man weiß, dass man damit nicht allein ist.
Liebe Grüße und alles Gute!
Jule 🙂
Liebe Jule,
Mir hilft dieser Blogbeitrag gerade sehr. Ich bin gerade in exakt der gleichen Situation. Auch bei uns wurde die Gleitklausel angewendet, sodass die Meisten die ich kenne doch noch bestanden haben, nur bei mir hat es eben nicht gereicht. Und gerade das deprimiert mich noch etwas mehr. Die ganze Zeit mache ich mir Gedanken, warum gerade ich und ob ich es nicht doch noch hätte schaffen können bzw. wie die Wiederholungsprüfung wohl sein wird und was ist, wenn diese noch schwerere Fragen oder sogar ganz andere Fragentypen haben wird.
Da die Prüfung Voraussetzung ist, um ins nächste Semester zugelassen zu werden, habe ich innerlich natürlich noch mehr Stress. Aber es hilft alles nichts, ich habe jetzt 6 Wochen Zeit alles nochmal in Ruhe zu lernen.
Zu lesen, dass auch Andere schon einmal in einer solchen Situation waren, macht mir dann gerade doch etwas Mut. Vielen Dank für diesen Artikel.
Alles Liebe, Linda
Liebe Linda,
herzlichen Dank für Deine lieben Worte, das bestärkt mich umso mehr, weiterhin so offen mit Niederlagen umzugehen. Bei mir ist das „Durchgefallen“ mittlerweile etwas her, und ich kann mit Abstand darauf zurückblicken und sagen, dass es mir absolut nicht geschadet hat, im Gegenteil. Mir ist natürlich klar, dass Dir das in Deiner aktuellen Situation nicht weiterhilft, aber letztendlich bin ich seitdem so viel entspannter beim Lernen und in Prüfungssituationen und stehe mir nicht mehr selbst mit meiner Aufregung im Weg. Du hast auch wahrscheinlich gar nichts falsch gemacht – oft ist es einfach Pech und schlechtes Timing, was zu sowas führt. Ich wünsche Dir für den Zweitversuch nur das Beste und ganz viel Glück und Erfolg! Glaub mir, Du wirst daran wachsen und aus dieser schwierigen Situation Lernen und Kraft ziehen. Du schaffst das!
Liebe Grüße,
Jule
Liebe Jule,
Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe heute erfahren, dass ich mit einem einzigen mickrigen Punkt durch Anatomie durchgefallen bin (und besonders ärgert mich, dass ich eine Sache, die ich ursprünglich richtig hatte ganz kurz vor Abgabe noch geändert habe…😬).
Aber dein Text hat mir gerade das Gefühl gegeben, nicht alleine zu sein. Ich fühle mich ähnlich und hab aber deinen Punkt, vielleicht besser vorbereitet zu werden ins Physikum hingenommen und das ist vielleicht wirklich ok.
Vielen Dank also für deinen Beitrag!
Hallo Jule,
Ich bin durch Zufall auf diesen Blogartikel gestoßen, bei Insta folge ich dir schon viel länger. Ich bin gerade auch in der Situation, hab die Chemie Klausur nicht bestanden, mir fehlen 1,5 Punkte zur Bestehensgrenze, und so gut wie alle die ich kenne haben Dank Gleitklausel bestanden.. Ist ein verdammt be******* Gefühl.. Man kommt sich vor, wie ein Versager, als wäre man selber einfach zu dumm.. Man muss dazu sagen, dass ich nicht direkt nach dem Abi einen Studienplatz erhalten habe, sondern in der Wartezeit eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht habe und danach auf Intensivstation gearbeitet habe, bis dann der langersehnte Platz kam.. Viele haben erzählt, dass gerade so Leute wie ich in der Vorklinik auch an solchen Fächern gescheitert sind und exmatrikuliert wurden nach dem nicht bestandenen Drittversuch.. Es tut einfach nur weh, selbst wenn man versucht, irgendwas Positives daraus zu ziehen.. Dein Blogartikel hilft mir sehr, nicht aufzugeben und irgendwie weiterzumachen, und daran zu glauben, dass der Zweitversuch klappen wird.. Und mein Traum nicht daran scheitern wird..
Liebe Grüße, Hannah
Hi, ich kann mich irgendwie aus aktuellem Anlass sehr gut in diese Lage hineinversetzen. Habe vor ein paar Wochen eine Prüfung in einem Programmierfach geschrieben, für das ich wirklich viel gelernt hatte. Hab mich sogar mit einer Mitstudentin regelmäßig über Zoom zum Lernen getroffen.
Ich war mir eigentlich sicher gut vorbereitet zu sein. Während der Prüfung wurde mir allerdings klar, dass es mit dem Bestehen sehr knapp sein könnte. Der Zeitdruck war zu groß. Ich hatte zudem die letzte Aufgabe auslassen müssen, auf die es satte 8 Punkte gab, und zwar nicht nur wegen des Zeitdrucks, sondern weil ich sie einfach nicht verstanden hatte, obwohl es um ein Thema ging, das mir eigentlich geläufig sein sollte. Das Thema wurde ein wenig anders abgefragt als wie wir es auf den Folien gelernt hatten, was mir sehr unfair erschien. Die Tage nach der Prüfung waren zermürbend. Ich habe versucht mich an alle Fragen zu erinnern und alles aufgeschrieben, was mir in den Sinn kam. Tatsächlich konnte ich mich an alle Fragen erinnern. Ich habe fast täglich die Punkte zusammengezählt, um am Ende festzustellen, dass es sehr knapp sein wird und ich womöglich durchgefallen bin. Die Tatsache, dass meine Mitstudentin bei der letzten Aufgabe zumindest einen Ansatz stehen hatte, war für mich ernüchternd . Ich malte mir aus, wie es sein würde, wenn sie die Prüfung besteht, während ich einen Zweitversuch wahrnehmen muss, und das, obwohl ich vorher davon überzeugt war, dass wir etwa gleich abschneiden werden. Wir hatten nämlich tagtäglich bis in die Nacht zusammen für die Prüfung gelernt. Der Gedanke, am Ende alleine in eine Nachprüfung zu müssen war für mich demotivierend, obwohl ich ihr natürlich wünschte zu bestehen. Das Warten auf das Prüfungsergebnis zog sich über Wochen. Ich habe sehr schlecht geschlafen und sogar von der Prüfung geträumt. Einmal träumte ich im Drittversuch gelandet zu sein. Ein andermal träumte ich, knapp bestanden zu haben, um am Ende aufzuwachen und zu wissen, dass es nicht die Realität ist.
Eines Tages musste ich ernüchternd feststellen, dass eine Aufgabe, von der ich sicher war, dass ich sie richtig gelöst haben musste, falsch ist, nachdem ich nochmal einen Blick auf meine Unterlagen geworfen hatte. Ich hätte das lieber nicht tun sollen. Nun war ich mir ziemlich sicher, nicht bestanden zu haben. Mein Umfeld hat mich versucht aufzubauen und davon gesprochen, dass es kein Weltuntergang ist. Ein Fehlversuch bedeutet sicher nicht das Ende, aber irgendwie hat mir das nicht wirklich geholfen. Es nagte an mir, dass ich viel für die Prüfung gemacht hatte und es trotzdem fürs Bestehen nicht reichen würde. Eine solche Erfahrung hatte ich noch nie. Es war schlichtweg unfair. Außerdem hatte ich keine Idee, wie die Lösung für die letzte Aufgabe aussehen sollte. Wahrscheinlich hätte ich sie nie lösen können, egal wie viel ich gelernt hätte, denn nicht einmal in unseren Unterlagen bzw. Büchern war eine derartige Aufgabe zu finden. Ich wusste es ist für einen möglichen Zweitversuch wichtig diese Aufgabe zu verstehen. Das setzte mich zusätzlich unter Druck. Auch die Dozentin wollte mir auf meine Frage zu der Aufgabe keine konkrete Antwort geben und unterstellte mir Lösungen abzugreifen wollen, obwohl ich sie nur ganz nett gefragt hatte, ob in unseren Referenzen eine vergleichbare Aufgabe zu finden ist. Sie hatte mir empfohlen zur Klausureinsicht zu gehen. Da sie in ihrer Email eher genervt und unhöflich klang, hatte ich den nächsten negativen Gedanken. Ich erinnerte mich daran, dass ich in unserem Forum für den Kurs ihre Vorlesungsfolien einmal offen kritisiert hatte, da sie sehr unstrukturiert waren, Definitionen fehlten, Fehler aufwiesen und mehr. Was ist eigentlich, wenn sie mich aufgrund meines Names in der Email wiedererkannt hat und deshalb so batzig geantwortet hat? Dieser Gedanken führte zu einem nächsten vllt sogar zum Teil paranoiden Gedanken, nämlich dass sie mich in der Prüfung schlechter bewerten könnte bzw sie mich aufgrund meiner Kritik durchfallen lässt, vllt sogar bei möglichen anderen Prüfungsversuchen. Ich hätte ihr besser nicht schreiben sollen, dachte ich mir. In den darauffolgenden Tagen hab ich mich mit dem Thema Klausureinsicht beschäftigt und wollte alles darüber wissen, was man dort darf und nicht darf. Vor allem wollte ich wissen, ob es zulässig ist, Lösungen und ganze Aufgabenstellungen abzuschreiben. Da ich keinen blassen Schimmer hatte, wie ich die Aufgaben,die ich nicht verstanden hatte, hätte lösen sollen, war die Klausureinsicht für mich der einzige Weg um die Klausur das nächste Mal zu bestehen. Die Wochen vergingen und ich wusste, dass das Prüfungsergebnis bald veröffentlicht wird. Täglich loggte ich mich mehrmals ins System ein, um das Ergebnis zu erfahren. Doch der Status war noch offen, was durch ein Fragezeichen gekennzeichnet war.
Vor einigen Tagen kam dann die erlösende Nachricht. Das Fragezeichen verwandelte sich in ein grünes Häkchen, was bedeutete, dass ich die Prüfung bestanden habe. Als ich draufklickte, sah ich die Note. Ich habe sehr knapp bestanden (ausreichend). Ich konnte es nicht glauben. Eine Last ist von meinen Schultern gefallen. Als ich meine Mitstudentin anrief und es ihr erzählte, war ich natürlich neugierig, welches Ergebis sie hatte. Tatsächlich war sie eine ganze Note besser (befriedigend). In dem Moment hat sich meine Freude darüber, dass ich bestanden habe, etwas geschmälert. Natürlich gönnte ich es ihr, aber irgendwie wurde mir schlagartig bewusst, dass ich trotz des ganzen Lernens und der tagtäglichen Zusammenarbeit mit ihr nur sehr knapp bestanden hatte. Ich weiß es klingt irgendwie undankbar, nachdem ich die ganze Zeit den Wunsch hatte einfach nur zu bestehen. Aber als sie davon sprach, mit ihrer Note unzufrieden zu sein, kamen unweigerlich diese Gefühle in mir auf. Es war für mich ein Schlag ins Gesicht und ich erstappte mich bei dem Gedanken zu blöd für das Studium zu sein und mit Lernen nicht immer alles beeinflussen zu können. Es nagt am Selbstbewusstsein und das Ganze hat viel Energie und Nerven gekostet. Doch nun versuche ich das Ganze wieder positiver zu sehen. Ich weiss, ich muss mich mit dieser Prüfung und der Klausureinsicht nicht mehr befassen. Ich bin mir sicher, diese Erfahrung wird mich stärker machen. Ich bin froh, dass es hier Menschen gibt, die Ähnliches erlebt haben und nach einer Prüfung bzw. schlechtem Ergebis einem negativen Gedankenkarusell zum Opfer gefallen sind. Das beruhigt mich sehr.