Jule und der Präpkurs – Medizinstudium

Medizinstudium: Mein Erfahrungsbericht zum Präparierkurs! medschool, medstudent, study, tipps, university, medicineIhr Lieben, es ist mal wieder Zeit für einen neuen Blogbeitrag – über ein sensibles und zum Teil auch persönliches Thema: Den Präpkurs im Medizinstudium. Trotzdem möchte ich versuchen, euch ein paar Tipps und Hilfestellungen mit auf den Weg zu geben und euch eventuelle Ängste zu nehmen.

Auch wenn es vor einiger Zeit bereits einen Beitrag dazu auf Instagram gab, so denke ich verdient er einen erneuten und ausführlicheren Text, diesmal auf dem Blog – der sagenumwobene Präparier- oder Sezierkurs, Inhalt der häufigsten Frage die mir aus meinem Umfeld gestellt wird, seit ich Medizin studiere: „Na. Habt Ihr schon Menschen aufgeschnitten?“

Ja, habe ich. Mir wurde die Ehre zu Teil an einem Körper, der ein Leben lang einen Menschen begleitet hat die menschliche Anatomie zu studieren und zu lernen. Und entgegen aller Meinungen, die den Präpkurs im Medizinstudium für unnötig halten kann das beste Buch oder selbst eine Fotografie nicht ersetzen, was der Präpkurs mich gelehrt hat. Dazu gehört natürlich zum einen das Fachliche – kein Bild zeigt die wahre Topografie, die Zusammenhänge und Strukturen so gut wie die Realität. Aber auf der anderen Seite hat mich der Präpkurs auch auf menschlicher Ebene etwas gelehrt: Demut vor dem Leben, Respekt vor dem Tod und Dankbarkeit an den Menschen, der sich entschlossen hat sein Leben in den Dienst der Menschheit zu stellen und es Medizinstudenten zu ermöglichen, fundierte anatomische Kenntnisse zu erlangen und so die Grundlage dafür zu legen, später einmal gute Ärzte zu werden.

Wer mich kennt weiß, dass der Präparierkurs nicht meine liebste Veranstaltung im Studium war, ja, ich würde sogar sagen er stand beliebtheitstechnisch bei mir wirklich weit unten im Kurs. Ich habe mich oft beklagt, über das viele Stehen, die dicke Luft, die an heißen Tagen und am Präptisch unvermeidbare Enge zwischen uns Studenten und vor allem den Stress und den Druck, den die mündlichen Testate mit sich brachten. Es galt nicht nur, eine schier unmöglich erlernbare Menge anatomischer Strukturen und Stoff zu beherrschen, sondern zusätzlich mit der Angst vor einem Blackout, einem schlecht gelaunten Prüfer oder dem 1% Stoff, den man nicht drauf hatte, fertig zu werden.

Letztendlich hat mich dieses halbe Jahr stärker und selbstbewusster werden lassen und hat mir gezeigt, dass ich mehr schaffen kann als ich je für möglich gehalten hätte. Es hat mich gelehrt über mich hinauszuwachsen, hat mir gezeigt, wie viel man zusammen mit Anderen schaffen kann und dass das Studium viel leichter fällt, wenn man sich zusammentut, Wissen teilt und sich gegenseitig hilft. Viele Leipziger sagen, das zweite Semester sei das Schönste im ganzen Studium. Ich kann das nicht unterschreiben aber Anatomie ist eben nicht mein liebstes Fach und das gesamte Sommersemester letztes Jahr drehte sich eben um nichts anderes als die menschliche Anatomie.

Genau vor einem Jahr, in meinen ersten Semesterferien, kreisten meine Gedanken immer wieder und je näher der erste Unitag kam auch immer öfter um den Präpkurs. Auch, wenn es nicht mein erster Kontakt mit dem Tod war, da ich bei meinem Pflegepraktikum auf der Onkologie schon einige Male damit in Berührung gekommen war, hatte ich großen Respekt, fast ein bisschen Angst vor dem ersten Mal im Präpsaal.

„Wie werde ich mich fühlen, wenn ich das erste Mal einen toten Menschen berühre? Wird es im Saal ungewohnt, vielleicht unangenehm riechen? Macht mein Kreislauf das mit? Bin ich emotional stabil genug, oder werde ich weinen müssen? Wer wird unser Dozent und Prüfer sein – jemand besonders Strenges womöglich? Kann ich meine Gedanken im Saal lassen, oder nehme ich sie regelmäßig mit nach Hause? Und, wie kann ich das alles mit meinem Glauben vereinbaren?“

So viele Fragen, und auf fast alle habe ich am ersten Tag meine Antwort bekommen.

Ich war aufgeregt. So aufgeregt, dass ich nicht gut geschlafen habe und mein gezwungenes Frühstück rein der Hypoglykämie-Prophylaxe galt um zumindest der einen Sorge etwas vorzubeugen. In meinem Spind im Spiegelsaal, den ich ebenso wie den jetzt als Ort für den Präpkurs fungierenden Saal bereits aus dem Seminar „Allgemeine Anatomie“ im ersten Semester des Medizinstudiums kannte, verstaute ich die Dinge, die ich in den nächsten Wochen wohl oft brauchen würde: Präparierbesteck, Einmalschürzen, meinen Kittel, eine Packung Einmalhandschuhe, eine lange Stoffhose zum drüberziehen für die warmen Tage (theoretisch ist man verpflichtet, lange Hosen zu tragen und ein Kittel über Shorts sieht auch irgendwie seltsam aus), meine alten Sneaker aus dem Pflegepraktikum (da man sicherheitshalber geschlossene Schuhe braucht und Sandalen oder Flipflops dieses Kriterium nicht erfüllen), die „Duale Reihe Anatomie“ vom Thieme-Verlag, meine ausgedruckte Präparieranleitung, den Lernzielkatalog und den Sobotta-Präparieratlas.

Einige Minuten später fand ich mich bereits auf den Stufen wieder, die mich zum Präpsaal führen würden – entgegen der allgemeinen Meinung muss der übrigens nicht immer im Keller sein, bei uns lag er etwas erhöht beinahe ebenerdig. Als ich durch die Tür trat, nahm ich natürlich als erstes die vielen Tische, im Moment noch mit einer Folie und weißen Tüchern abgedeckt, wahr und noch im selben Atemzug den Geruch. Etwas befremdlich, aber keinesfalls unangenehm was wohl daran lag, dass an der Uni Leipzig entgegen dem allgemeinen Standart nicht mit Formalin, sondern mit Alkohol fixiert wird – riecht nicht so schlimm und ist vor allem weniger gesundheitsschädlich. Als nächstes wurde die Identität unseres Dozenten geklärt – niemand den ich kannte, also immerhin kein besonders schlimmer Prüfer, von denen hätte man nämlich sonst schon etwas gehört. Mein erster Eindruck täuschte mich, denn insgesamt war das Verhältnis zwischen dem, was uns beigebracht wurde und dem Schwierigkeitsgrad der Prüfungen ziemlich unausgewogen – zu unserem Nachteil. Aber so ist das eben im Leben, man kann nicht immer Glück haben und es hätte uns auch schlimmer treffen können.

Wir sammelten uns um den Tisch, mit mir zusammen waren wir elf Studenten, und warteten gespannt, einige (mich darunter) ein wenig ängstlich, auf die nächsten Schritte. Nach einer kurzen Ansprache durch den Professor folgte der Moment, vor dem ich so großen Respekt hatte – das Abdecken des Tisches, des Menschen, der uns so viel gegeben hat. Jeder Medizinstudent wird diese Erfahrung machen, einige werden es gut wegstecken, manche sind vielleicht gar nicht so beeindruckt, andere müssen sich erst einmal einen Moment sammeln. Ich persönlich habe es besser verkraftet als erwartet, musste natürlich ein paar mal schlucken und gerade die ersten Hautschnitte waren für mich eine große Überwindung und mit gemischten Gefühlen verbunden, aber ich habe es gemeistert. Kein Kollaps, keine Tränen. Und mit jedem Tag, mit jeden Schnitt kam die Routine und ich konnte die Berührungsängste gut ablegen.

Allerdings kann ich nicht von mir behaupten, gerne präpariert zu haben. Ich war, vor allem gegen Ende als es auch einfach nicht mehr so viel an unterschiedlichen Stellen zu tun gab, eher ein Beobachter und habe denen den Vortritt gelassen, die Spaß am Präparieren hatten und sich auch eine chirurgische Karriere vorstellen können. Und ich denke, das ist okay. Man muss nicht überall der Beste und Schnellste sein, manchmal darf man auch mal in der 2. Reihe stehen und zusehen. Natürlich habe ich auch einiges selbst präpariert, zum Beispiel die Herzkranzgefäße oder die Muskeln und Gefäße des Unterschenkels, habe eben immer das gemacht, was es grade zu tun gab. Allerdings sehe ich jetzt, hinterher, dass ich einige Chancen nicht genutzt habe. Gerne hätte ich mir einige Strukturen, mit denen ich jetzt in der Physiologie konfrontiert werde, öfter und genauer angeschaut, alles mal selbst in die Hand genommen und nicht nur versucht, das Testatwissen präsentabel drauf zu haben.

Zum Abschluss dieses Beitrages möchte ich euch noch zwei Dinge mitgeben:

1. Checkliste Präpkurs Medizinstudium:

– Laborkittel (ich bin, mit häufigerem Waschen mit einem zurecht gekommen)
– Einmalhandschuhe (gibt es zum Beispiel bei Rossmann)
– Einmalschürzen (besonders für den Anfang, am Besten eine Sammelbestellung mit Kommilitonen im Internet machen)
– Präpbesteck (ich hatte meines vom SturaMed)
– Lehrbuch (zB Duale Reihe, aber ich denke auch die Endspurtskripte wären da schon hilfreich gewesen)
– Anatomie-Atlas (zB den abwischbaren von Sobotta)
– Stoffhose und geschlossene Schuhe (es ist Sommer!)
– Anleitung und Lernzielkatalog (von der Anatomie-Homepage, kann man gut bei printpeter.de drucken lassen)

2. Ein paar letzte Tipps:

– Nutzt die Chance! Ich ärgere ich mich im Nachhinein wirklich über meine demotivierte Einstellung des „Nur-Durchkommen-Wollens“.
– Lerngruppen funktionieren gut, um sich alles gegenseitig abzufragen und zu sehen, ob man den Stoff auch wirklich mündlich wiedergeben kann.
– Orientiert euch gut an dem Lernzielkatalog. Ich habe mich wirklich strikt daran gehalten und bin damit gut gefahren, außerdem vergisst man so nichts. Wie genau ich mich vorbereitet habe könnt Ihr in meinem Post zum 2. Semester nachlesen!
– Vergesst nie, was Ihr gerade macht. Ich habe mir wirklich einige Respektlosigkeiten anhören müssen, Kommentare, die vielleicht gar nicht so gemeint waren aber in meinen Augen sehr pietätlos waren. Routine hin oder her, man sollte nie vergessen was für ein Privileg es ist, die menschliche Anatomie an einem echten Menschen lernen zu dürfen, der nicht nur ein Haufen Organe ist, sondern gelebt und vieles erlebt hat.

Ich hoffe, euch hat der Post gefallen und dem ein oder anderen vielleicht geholfen oder die Angst nehmen können. Es ist nicht so schlimm wie man denkt, und auch wenn man sehr emotional und/oder nah am Wasser gebaut ist – man kommt klar (sage ich aus eigener Erfahrung). Nehmt so viel mit, wie Ihr nur könnt, denn die Anatomie ist ein wichtige Etappe auf unserem Weg, ein guter Arzt zu werden. Und wer den Präpkurs im Medizinstudium schon hinter sich und noch ein paar hilfreiche Tipps oder Erfahrungen hat – gerne ab damit in den Kommentare!

Eure Jule Unterschrift

 

 

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4 Gedanken zu „Jule und der Präpkurs – Medizinstudium

  1. Hey ! Danke für den schönen Post! Fand ihn sehr hilfreich und sehr interessant :)! Vor allem weil ich nächstes Semester den Präpkurs habe 🙂
    Danke für den tollen Einblick ☺️
    LG

    1. Hallöchen! Es freut mich wirklich sehr, dass Dir der Post gefallen und vielleicht ja auch ein bisschen geholfen hat. Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für das nächste Semester und viele tolle Erfahrungen im Präparierkurs! Deine Jule 🙂

  2. Hey Jule,

    Du hast es zwar so nicht formuliert, aber denkst du das man nur ein guter Arzt wird, wenn man den Präp.kurs gemeistert hat?
    Ich denke es zählen viele andere Dinge als das. Schön wenn man die Anatomie drauf hat, aber einem Patienten nicht ordentlich die Krankheit erklären kann und null empathisch ist , und das können leider nur wenige – sich hineinversetzen und Zeit nehmen. Nicht nur jemanden einen Diagnose an den Kopf werfen.

    Auf jedenfall war dein Beitrag sehr hilfreich! Ich frag mich allerdings echt wie man die Menge an wissen erlernen soll 😅

    1. Liebe Nancy!

      Um es mal wörtlich zu nehmen: Wer den Präpkurs nicht meistert, kriegt den Schein nicht und kann so auch kein Staatsexamen machen. Also MUSS man irgendwie schon den Präpkurs und die vielen vielen Anatomieprüfungen bestehen, sonst wird man schlichtweg kein Arzt.

      ABER: Nur weil man kein Anatomie-Ass ist, kann man natürlich trotzdem ein guter Arzt sein und werden! Solange man die klinisch wichtigen und relevanten Sachen drauf hat – ein Techniker muss seine Geräte auch können und bei uns dreht sich eben alles um den menschlichen Körper, seine Anatomie und Physiologie. Ich sehe es auch so, dass Empathie sehr wichtig ist, trotzdem muss man klinische Anatomie sehr gut beherrschen – aber definitiv nicht alles, was man so für den Präpkurs drauf haben muss.

      Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage? Liebe Grüße und vielen Dank! Deine Jule 🙂

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